Arsen und Spitzenhäubchen

Eine Kriminalkomödie von Joseph Kesselring

Zwei liebenswürdige ältere Damen im Spitzenkragen betreiben seit Jahren eine sonderbar schaurige Art der Wohltätigkeit. Alte einsame Herren locken sie unter dem Vorwand der Zimmervermietung in ihr Haus, um sie von ihrem Schicksal durch den Vergiftungstod zu erlösen. Der Wahnsinn liegt in der Familie. Ihr im Hause lebender Neffe Teddy hält sich für Präsident Roosevelt und entsorgt die Leichen unter seiner vermeintlichen Panama-Kanal-Baustelle im Keller. Sein Bruder Jonathan ist ein polizeilich gesuchter Serienmörder, der mit seinem persönlichen Gesichtschirurgen Dr. Einstein bei den Tanten untertauchen will. Einzige Ausnahme ist Lieblingsneffe Mortimer, der berühmte Theaterkritiker. Ausgerechnet als er seiner Verlobten einen Heiratsantrag macht, stößt er auf das schreckliche Geheimnis der alten Ladys. Eine der schwärzesten und mitreißendsten Slapstickkomödien, die ein Publikum je gesehen hat.

Termine

Do, 31.12.09, 15.00 Uhr  Großes Haus QuedlinburgPremiereausverkauft
Do, 31.12.09, 19.00 Uhr  Großes Haus Quedlinburgausverkauft
Sa, 23.01.10, 19.30 Uhr  Großes Haus Halberstadt
So, 31.01.10, 15.00 Uhr  Großes Haus Quedlinburg
Fr, 12.02.10, 20.00 Uhr  Salzwedel
Sa, 27.02.10, 19.30 Uhr  Großes Haus Halberstadt
So, 07.03.10, 15.00 Uhr  Großes Haus Quedlinburg
Sa, 27.03.10, 19.30 Uhr  Großes Haus Halberstadt Karten
So, 11.04.10, 15.00 Uhr  Großes Haus Quedlinburg Karten
Sa, 24.04.10, 19.30 Uhr  Großes Haus Halberstadt Karten
So, 16.05.10, 15.00 Uhr  Großes Haus Halberstadt Karten

Besetzung

Inszenierung  Olga Wildgruber a.G.
Ausstattung  Kordula Kirchmair-Stövesand a.G.
Abby Brewster  Franziska Küpferle a.G.
Martha Brewster  Edith Jeschke
Teddy Brewster / O'Hara  Jörg Vogel
Mortimer Brewster  Markus Manig
Jonathan Brewster / Dr. Harper  Benedikt Florian Schörnig
Dr. Einstein / Rooney  Robin Weinem a.G.
Elaine Harper  Illi Oehlmann
Brophy / Gibbs / Witherspoon  Arnold Hofheinz
Klein / Mr. Spenalzo  Bertram Beier / Andreas Schael a.G.

Fotos

Pressestimme: Noch ein Gläschen Holunderwein?

VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ - Es gibt in diesem Genre Klassiker, "Dinner for one", "Die Mausefalle" und eben "Arsen und Spitzenhäubchen". Dieser Evergreen des schwarzen Humors erfuhr ungezählte Inszenierungen, Olga Wildgruber fügt nun am Nordharzer Städtebundtheater eine hinzu, nicht die schlechteste, mag man meinen.
Am 10. Januar 1941 uraufgeführt, avancierte "Arsenic And Old Lace" am Fulton Theatre in New York zum einzigen erfolgreichen Stück von Joseph Kesselring, das en suite vier Jahre lang und 1 444-mal vor ausverkauften Häusern lief. Auch am Nordharzer Städtebundtheater massiert das Stück, das etwas Krimi und etwa mehr Komödie ist, die Lachmuskeln der Zuschauer.
Die eher als Sängerin bekannte Edith Jeschke und Franziska Küpferle a. G. schlüpfen in die Rollen der zu den interessantesten aller Komödien-Paare zählenden Schwestern Martha und Abby Brewster: Ganz liebenswürdige Gastgeberinnen, die sich besonders fürsorglich um allein stehende Männer kümmern. Sie tischen Marmelade und Kekse auf, Tee und Schmorbraten und ein Gläschen selbst gemachten Holunderwein, das zum letzten wird.
Wie sie aus reiner Nächstenliebe und mit der naiven Freude kleiner Kinder den Alten und Einsamen zu einem friedvollen Tod verhelfen, verströmt Würde und Nonchalance. Bei aller Tantenhaftigkeit, das Ensemble wirkt solide besetzt. Illi Oehlmann, Tochter des Brooklyner Pfarrers, gibt den smart-liebeshungrigen Wirbelwind Elaine, die ihren Theaterkritiker Mortimer letztlich doch bekommt. Markus Manig leidet unter schlechten Theaterstücken, die er besprechen muss, und dem heimischen Chaos. Das zu beherrschen fordert ihm weniger Komödiantentum als vielmehr Managerqualitäten ab.
Schließlich bringen die reizenden Schwestern nicht nur Männer verschiedener Konfessionen um die Ecke, sondern dann noch in den eigenen Keller. Als Mortimer das zufällig bemerkt, setzt er alles daran, dies zu vertuschen und dem schuldunfähigen Bruder Teddy in die Schuhe zu schieben. Als dann noch weitere Leichen auftauschen, der zweite verrückte Bruder Jonathan hat den toten Spenalzo im Gepäck, wird der Platz im Keller knapp, wo den Opfern die letzte Ehre erwiesen wird.
Jörg Vogel spielt den liebenswerten Irren Teddy, der sich staatsmännisch für Theodor Roosevelt persönlich hält und durch Attacke-Rufe und Trompeten-Getöse für Unruhe sorgt. Er grub im Keller des biederen Tanten-Hauses (Ausstattung: Kordula Kirchmair-Stövesand) den Panama-Kanal. Dass die Schleusen dafür sehr gut zu den Körpermaßen der an mit einem Teelöffel Arsen, einem halben Teelöffel Strychnin und einer Prise Zyankali versetzten Holunderwein Verschiedenen passten, war ein positiver Nebeneffekt.
Die Story wird auf die Spitze getrieben, wenn der global mordende Neffe Jonathan nebst seinem miesen Gesichtschirurgen Dr. Einstein (Robert Weinem) zu der ziemlich durchgeknallten Gesellschaft stößt. Ihm (Benedikt Florian Schörnig) gelingt es, alle und jeden gegeneinander auszuspielen, um seine neuen Pläne umzusetzen. In erster Linie will er, durch die Maske des Theaters gut verunstaltet, wieder ein Gesicht, dass nicht an Film-Frankenstein Boris Karloff erinnert. Der garstige und vor Raserei kochende Fiesling linkt zeitweilig selbst die Polizei.
Dem Inszenierungsteam gelingt ein unterhaltsames, gelegentlich auch nicht ganz tiefenscharfes Familienbild von den Mitgliedern der "Brewster-Sippe" mit ihren skurrilen Macken, so dass der Zuschauer alle mit besonderem Blick auf mögliches morbides Treiben abklopfen kann. Und erlebt dass Mortimer und Elain, die scheinbar einzigen "Normalen" kurz davor stehen, selbst den Verstand zu verlieren.
Bis zum witzigen schlaglichtartigen Ende hat das Publikum Spaß. Ist das nicht schon Erfolg genug für das Stück im Ambiente des Brooklyns des frühen vergangenen Jahrhunderts? Echten Holunderwein gab es übrigens in der Theaterpause nicht...