#Es_ist_Liebe
Jubiläumsspielzeit 2016/17

Cabaret

Musical in zwei Akten von John Kander (Fassung: Chris Walker)
Buch von Joe Masteroff | Gesangstexte von Fred Ebb | Deutsch von Robert Gilbert

Der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw reist Ende 1929 im Zug von Paris nach Berlin, um sich dort für seinen neuen Roman inspirieren zu lassen. Im Zugabteil lernt er Ernst Ludwig kennen, der für die NSDAP mit Hilfe gutgläubiger Ausländer Devisen aus dem Ausland nach Deutschland schmuggelt. Von ihm bekommt er die Empfehlung, sich bei der Zimmerwirtin Fräulein Schneider einzumieten, dazu den Tipp, sich im Kit-Kat-Club, Berlins angesagtestem Laden, zu amüsieren. In der preiswerten Pension am Nollendorfplatz lernt Bradshaw seinen Zimmernachbarn, den jüdischen Obsthändler Isaak Schultz, kennen. Bereits seinen ersten Abend, Silvester 1929, verbringt er in dem berühmt-berüchtigten Tingel-Tangel, wo allabendlich ein zynisch-zwielichtiger Conférencier die Attraktion dieses Telefon-Etablissements ankündigt: Miss Sally Bowles. Die außergewöhnliche Engländerin verliebt sich Hals über Kopf in Cliff und zieht zu ihm in die Pension. Auch der schüchterne Schultz hat seiner Vermieterin einen Heiratsantrag gemacht, den die resolute Dame sofort annimmt. Als Sally schwanger wird, wollen Cliff und Sally heiraten, doch das Geld ist knapp. Deshalb soll Cliff für Ernst Ludwig Devisen aus Paris nach Berlin schmuggeln. Als der Nazi in die Verlobungsfeier des Obsthändlers platzt und Fräulein Schneider warnt, einen Juden zu heiraten, löst sie resigniert ihre Verbindung mit Schultz. Cliff packt die Koffer, denn er möchte dieses Berlin, das ihn zu erschrecken beginnt, verlassen. Doch Sally ist nicht bereit, auf ihre Showgirl-Karriere zu verzichten, und lässt sogar ihr Kind abtreiben. Schultz will Fräulein Schneider Schwierigkeiten ersparen und ist aus der Pension ausgezogen. Doch die „neue“ Zeit ist nicht aufzuhalten: Die Scheiben des Obstladens gehen durch braune Horden zu Bruch. Noch versucht der Conférencier seine Witze darüber zu machen. Clifford aber verlässt Berlin – endgültig und allein.

Wir danken der Harzsparkasse sowie dem Freundeskreis von Dr. Hans Henning Feige für die freundliche Unterstützung dieser Inszenierung.

Die CABARET-Inszenierung ist dem wenige Tage vor der Premiere verstorbenen Sänger Ingo Wasikowski, welcher die Rolle des Clifford Bradshaw verkörpert hätte, gewidmet.


„Life is a cabaret!“

So, 27.09.15, 16.00 Uhr    Bernburg
Musikalische Leitung  Florian Kießling
Inszenierung  Wolfgang Dosch
Kostüm und Bühne  Odilia Baldszun
Conferencier  Tobias Amadeus Schöner
Sally Bowles  Katja Uhlig
Clifford Bradshaw  Lutz Standop
Ernst Ludwig  Klaus-Uwe Rein
Fräulein Schneider  Bettina Pierags
Herr Schultz  Norbert Zilz
Fräulein Kost  Marlies Sturm
Sologirls  Amrei Wasikowski / Thea Rein
  Orchester, Opernchor und Ballett des Nordharzer Städtebundtheaters

Ein Abend starker Untertöne

Wolfgang Dosch inszeniert ein dichtes und intensives Musical „Cabaret“.

In großer Dichte entblättert Dosch, der keineswegs nur ein begnadeter Regisseur leichter Muse ist, seine Akteure. Plötzlich fühlt man sich im Hier und Heute, wenn es um Willkommenskultur geht und das berühmte „Willkommen, bienvenue, welcome“ erklingt. Ein großes Plus der Inszenierung ist der hervorragende Cast, eine „ausgesprochen ideale Besetzung für das Stück“, nennt es Wolfgang Dosch. Doch durch seinen plötzlichen Tod fehlt Ingo Wasikowski, der noch zwei Wochen vorher den Schriftsteller Cliff Bradshaw probte.
Lutz Standop hat in wenigen Tagen diese Rolle beeindruckend einstudiert und macht an der Seite von Katja Uhlig mit stimmlichem Format in seinem Rollen-Debüt eine prima Figur. Uhlig kennt das hiesige Publikum bereits als Crissy in „Hair“. Als leichtlebige Nachtclub-Sängerin Sally Bowles legt sie einen beeindruckenden Drahtseilakt zwischen Romantik, Schlichtheit und Nicht-sehen-wollen hin.
Mit Katja Uhlig hat Dosch eine Sally Bowles mit Wandlungsfähigkeit, Stimmkraft und Ausstrahlung, die bekannte Songs zur von Streicher-Pathos befreiten Musik der 14 Künstler im Orchestergraben (Leitung Florian Kießling) ganz eigen interpretiert. Liza-Minelli-Film und CD, man glaubt die Nummern zu kennen, doch in Quedlinburg entfalten sie einen Klang, die eben keine Showeinlagen sind, sondern Geschichten erzählen. Das betrifft Bettina Pierags als Fräulein Schneider und den Herr Schultz von Norbert Zilz die wie Tobias Amadeus Schöner ihre klassisch ausgebildete Stimmen von jedem Bombast entledigen und bei optimaler Textverständlichkeit so bestens in den Ohren klingen.

Uwe Kraus / Mitteldeutsche Zeitung

Zündend

Die Musicaldarstellerin Katja Uhlig mit klarer, heller Stimme wirkte für die Sally Bowles fast zu jung und frisch, im Gegensatz zu deren eigentlich schon vorhandenen Lebenserfahrung; die Wandlung nach der Abtreibung gelang ihr dagegen sehr gut. Lutz Standop überzeugte als wandlungsfähiger Clifford Bradshaw. Das späte Mädchen Fräulein Schneider und der joviale Herr Schultz, waren mit Bettina Pierags und Norbert Zilz treffend besetzt; die verschämte Verehrung zu Beginn und später die Trennung auf Grund der politischen Verhältnisse rührten direkt an.

Marion Eckels / Opernfreund

Vollständige Kritik