#Es_ist_Liebe
Jubiläumsspielzeit 2016/17

Der Stein

Schauspiel von Marius von Mayenburg

1934. Eine jüdische Familie muss ihr Haus in Dresden verkaufen. Das Geschäft wird niemandem Glück bringen. Mit den politischen Systemen wechseln in den folgenden Jahrzehnten auch die Hausbewohner. Verschlungene Lebenslinien bis in die 90er Jahre werden nachgezeichnet. Im Zentrum stehen dabei Mutter und Tochter der Familie, die das Haus in den 30ern unter fragwürdigen Umständen erwarb. Anhand der Geschichte des Hauses stehen sich im Querschnitt durch die Jahrzehnte verschiedene Realitäten gegenüber. Hinter der Familiengeschichte, an die Enkel weitergegeben, werden noch ganz andere Geschichten entlarvt. Nicht immer bestimmen moralische oder rechtliche Ansprüche unser Handeln, es kann auch ganz praktische Gründe geben. Wer hat Schuld? Wie können wir uns erinnern? Wie können wir vergessen?
Nach 25 Jahren Wende und 70 Jahren Kriegsende rückt die jüngere deutsche Geschichte scheinbar in historische Ferne. Wie tief emotional die damaligen Konflikte in jeder Familie verankert sind, vergegenwärtigt Marius von Mayenburg eindringlich mit kühnen Zeitsprüngen und widersprüchlichen Menschen.

Wir danken dem Musik- und Theaterverein Quedlinburg für die freundliche Unterstützung dieser Inszenierung.

Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen und laden Sie deswegen zu folgenden Vorstellungen zu unseren Werkeinführungen und Nachgesprächen ein:

28.03.15 um 19 Uhr Werkeinführung im oberen Foyer Quedlinburg / Nachgespräch im Theatercafé im Anschluss

17.04.15 um 19 Uhr Werkeinführung in der Alten Kantine Halberstadt / Nachgespräch im Theatercafé im Anschluss

24.04.15 im Anschluss Nachgespräch im Theatercafé in Quedlinburg

08.05.15 um 19 Uhr Werkeinführung im oberen Foyer Quedlinburg



„Das ist unser Haus, unter dem ganzen Muff und Gerümpel, ich kenn jeden Stein.“

Inszenierung  Hannes Hametner
Kostüm und Bühne  Giovanni de Paulis
Musik  Jürgen Grözinger
Witha  Sybill Güttner-Selka
Wolfgang  Gerold Ströher
Heidrun  Marie-Luis Kießling
Hannah  Lisa Marie Liebler
Mieze  Mona Luana Schneider
Stefanie  Julia Siebenschuh
  Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Die Zeit bleibt nicht stehen

Witha hat alle diese Zeiten erlebt. Sybill Güttner-Selka geht in dieser Rolle auf, gefällt als unbeschwerte junge Frau uns als etwas verwirrte Alte.
Die fünfte Frau ist die Jüdin Mieze, die angeblich nach New York flüchten konnte. Mona Luana Schneider weiß diesen Part gefühlvoll auszufüllen.

Sigrid Dillge / Mitteldeutsche Zeitung


Geflecht aus Lügen und Schuld

Ein großartiges Stück um Zeitgeschichte, Lügen und vollkommene Umdichtung der Wahrheit im Verlauf nur eines Menschenlebens.
Das Geflecht aus Lügen, Schuld und Verdrängung ist in all den Jahren mit Naziterror, kommunistischer Willkür im Osten und eilfertiger Vergangenheitsbewältigung in der BRD dicht gewuchert. Undurchdringlich. Nicht aufzulösen.
Man sollte meinen, dass sich historische Wahrheiten nicht umdeuten lassen. Der Dresdner Philosoph Victor Klemperer hat mit seinem Buch "L.T.I." viel gegen das Vergessen getan. Aber die Pegida-Demonstrationen sind schon ein erschreckendes Beispiel für kollektiven Gedächtnisschwund.
Regisseur Hannes Hametner, seine Dramaturgin Johanna Jäger und der Ausstatter Giovanni de Paulis gehen mit dem Seziermesser an die Inszenierung. Schnelle Zeitsprünge zwischen den Ebenen. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Darauf musiziert "Mieze" Schwarzmann (Mona Luana Schneider) unendlich schön Johann Sebastian Bach. Die Goldberg-Variationen. Ganz stark die Bühnenmusik von Jürgen Grözinger - eine Reminiszenz an Bombennacht und Zerstörung der Stadt. Ströher gibt einen heldisch strammen Offizier, der sich 1945 als letzten Ausweg erschießen muss.
Sybill Güttner-Selka ist die höchst unsympathische Witwe Witha Heising. Scheinbar loyal und gut bürgerlich, blättert der Lack schnell ab. Sie wird zum Zentrum von Lüge und Verdrängung.
Uraufführung von "Der Stein" war 2008 in Salzburg und Berlin. Mit der neuen Inszenierung gastiert das Nordharzer Städtebundtheater am 15. März zur Eröffnung der Landesbühnentage Dresden. Ein sehr gewichtiger Beitrag, aktueller denn je!

Hans Walter / Volksstimme