Don Carlos

Oper von Joseph Méry und Camille du Locle, Musik von Giuseppe Verdi

Eine der musikalisch und dramatisch ausgereiften Verdi-Opern ist die Vertonung von Friedrich Schillers Königsdrama „Don Carlos“. Das dunkel Drückende der Handlung liegt auch in der Musik und in herrlich leidenschaftlichen Arien. Zum Erhalt der spanischen Krone muss Don Carlos seinem Vater Philipp II., König von Spanien, die Braut abtreten. Elisabeth liebt aber noch immer Don Carlos und er liebt sie. Ein Konflikt, wie geschaffen für eine Verdi-Oper. Als die neu aufgeflammte Liebe zu Tage kommt, beginnt ein unaufhaltsamer Strudel Don Carlos in die Tiefe zu ziehen. Liebe, Leidenschaft, Zweifel und Angst bestimmen die Fehlleistungen, die zwingend folgen. Der Titelheld ringt mit der Macht seines Vaters auf politischer und persönlicher Ebene. Der gnadenlose König Philipp zerreißt sich in musikalisch genial gestalteten Selbstzweifeln. Ein Meisterwerk der großen italienischen Oper!
gefördert durch die

Besetzung

Musikalische Leitung  MD Johannes Rieger
Inszenierung  Cornelia Just a.G.
Bühne  Wiebke Horn a.G. / Cornelia Just a.G.
Kostüme  Wiebke Horn a.G.
Don Carlos  Raymond Sepe a.G.
Elisabeth  Katharina Warken a.G.
Philip II  Gijs Nijkamp
Rodrigo, Marquis von Posa  Juha Koskela
Eboli  Gerlind Schröder
Großinquisitor  Klaus-Uwe Rein
Ein Mönch, Karl V.  Norbert Zilz
Tebaldo, Page Elisabeths  Anke Walter
Graf von Lerma  Ki Soo Yoo
  Orchester, Opernchor, Extrachor
und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Fotos

Pressestimme: Triumph des Musikalischen

Orpheus, Januar/Februar 2010
von Herbert Henning

CORNELIA JUST inszenierte Verdis DON CARLOS und war gemeinsam mit WIEBKE HORN auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich. Das Regieteam (mit Chordirektor JAN ROZEHNAL und Dramaturgin AUD MERKEL) überzeugte durch eine subtile, ganz aus der Dramatik der Verdischen Musik heraus inszenierte, die Psychologie der Figurenbeziehungen überzeugend auslotende Personenführung. Schillersches Pathos und die glutvolle Musik Verdis wurden auf zwingende Weise miteinander verbunden. JOHANNES RIEGER gelang im Orchestergraben, vor allem aber in der musikalischen Kommunikation zwischen Orchester und dem Bühnengeschehen wirklich Großartiges, wie im Ensemble des Autodafé. Just erzählt die Geschichte wiederum über die Symbolik von Farben und Chiffren im weiten, von den überdimensionalen Vexierbildern des Antlitzes der Elisabeth von Valois umgebenen offenen Bühnenraum. Kirchengestühl, in immer neuen Formationen gestellt, schafft konkrete Handlungsorte und ist Zeichen für die Allmacht der mit Inquisition, Tod und Verdammnis herrschenden Kirche. Just schafft durch ihre Personenführung ein knisterndes, emotionsgeladenes Spannungsfeld, in dem die einzelnen Personen starkes Profil haben. GERLIND SCHRÖDER als Eboli macht ihre große Arie zu einem Furioso der Verzweiflung, der Selbstbezichtigung und der Reue. Tragische Züge verleiht GIJ NIJSKAMP der Figur der des Philipp II., herausragend im Monolog „Sie hat mich nie geliebt“. Carlos ist nicht der Held an sich. Er zeigt Schwächen, Emotionen, weint um Posa und die unerfüllte Liebe zu Elisabeth, hasst Macht und Gewalt. Mit großer heldischer Stimme und Singenergie bis zum Finale überzeugt RAYMOND SEPE. Emotionsgeladen im Spiel und ausdrucksvoll mit sonorem Bariton gehören dank JUHA KOSKELA als Marquis von Posa die dramatischen musikalischen Dialoge zwischen ihm und dem König sowie das Streben von posa in den Armen von Carlos zu den großen Momenten dieser Aufführung. KATHARINA WARKEN singt und spielt die Königin voller Innigkeit, musikalisch Transparenz und Kraft. Stimmgewaltig und mit beeindruckender Präsenz als Großinquisitor macht KLAUS-UWE REIN seinen Auftritt zur großen Opernszene. Das Orchester sorgt im Solistischen der Blech- und Holzbläser, des Cellos-Solos als Introduktion zum Monolog Phillipps und mit orchestraler Wucht im Festchor, Trauermarsch und Autodafé mit Opern- und Extrachor sowie dem Freien Opernchor Choruso e.V. für musikalische Höhepunkte. Ein großer Opernabend an einem der kleinsten Vier-Sparten-Theater Deutschlands!

Pressestimme: Viele Bravos für dunkle Pracht mit Stimmgewalt

VON UWE KRAUS

HALBERSTADT/MZ - Das war mehr als die Anerkennung für den Mut der jungen Regisseurin Cornelia Just, mit „Don Carlos“ eine der aufregendsten Partituren Giuseppe Verdis nach knapp einem halben Jahr hundert wieder auf die Nordharzer Opernbühne zu bringen. Gab es bereits satten Szenenapplaus und zahlreiche Bravos für einzelne Arien sowie Duette, feierten die kundigen Operngäste Ensemble wie Inszenierungsteam zum Schluss mit stehenden Ovationen. „Don Carlos“ in aller dunkler Pracht dürfte im Oeuvre von Verdi wohl jene Oper sein, die förmlich nach mehrfacher Stimmgewalt schreit. Just fand diese Protagonisten im heimischen Ensemble und in ihm nahe stehenden Gästen, das das heimische Publikum wieder holt verzauberten. So war es für die Besucher im fast völlig ausverkauften Großen Haus eher die Frage, wie die bekannten Stimmen die Herausforderungen der Komposition eines reifen Verdis annehmen. Da ist in der Inszenierung kein 
distanzierter Blick auf ein Jahrhundert, keine kühle Distanziertheit zu spüren. In der reduzierten Ausstattung, die von kahlen Kirchenbänken und überlebensgroßen sich wiederholenden Porträtzeichnungen geprägt ist, lodert ein Feuer, das über die Flammen des Scheiterhaufens der Inquisition hinaus geht, die sich am Bühnenvorhang abzeichnen. Just und ihre Co-Bühnenbildnerin Wiebke Horn nutzen die Kraft der Farbe und des Lichtes, mit dem das Team um Holger Hofmann tiefe Stimmungen zeichnet. Es drückt auf die Seele 
Das Musikdrama drückt auf die Seele, weil hier für wahre Liebe oder Hoffnung kein Platz scheint. 
Schwebte doch über der Szenerie der schwere Odem des alles zerstörenden Katholizismus, verkörpert durch den Großinquisitor. Hof und Klerus weiden sich in trauter Gemeinsamkeit beim Autodafé, dem Staatsakt der Ketzerverbrennung, deren Rechtmäßigkeit zur eigenen Machterhaltung Philipps II. nicht in Abrede stellt. 
Cornelia Just nimmt das Wort von der „Großen Oper“ sehr ernst. In den Massenszenen (Einstudie- 
rung: Jan Rozehnal), stehen zusätzlich der Extrachor und coruso auf der Bühne, so dass über 30 Akteure in feinen, zeitgerechten Kostümen einen runden, selten hier erlebten voluminösen Klang verströmen. Stimmliche Größe, die zuweilen auch das Herz rührt, bieten durch gehend die Solisten, ob in den Arien oder in Duetten wie dem von Posa sowie König Philipp oder von Posa und Don Carlos. 
Juha Koskela singt den Marquislegato-rein, lässt seinen Bariton nuanciert klingen, darin pathetische 
Freiheitsbegierde, strahlender Klang mit sauberen Piani und kraftvollem Glanz. Koskela steckt 
dabei mit Brille und Anzug in der Intellektuellen-Kluft, die sich schon rein äußerlich von der über 
kommenden Zeit absetzt. 
Gerlind Schröder singt und spielt sich an diesem Abend erneut ins Zentrum der Inszenierung. Als 
Prinzessin Eboli verharrt sie in dämonischen Abgründen, um dann wieder Höhen zu erklimmen. Ihr 
voluminöser Mezzo wirkt kraftvoll und emotionsgeladen in der Zuneigung wie in der Reue. In der Titel- partie erlebt das Publikum einen erstaunlich jung und realitätsfernunentschieden angelegten Königs- 
sohn. Stimmlich artikuliert Raymond Sepe sauber, legt ungebremste Leidenschaft in sein Belcanto. Viel Schmelz kommt da her über, aber recht wenig patriotische Kraft. Mit einem Rest kindlicher 
Zagens greift er zu Stilett statt zur großen Waffe, um dem Vater, der ihm nicht nur die große Jugendliebe nahm, Paroli zu bieten. Gijs Nijkamp gibt einen König, der distinguiertes Timbre verströmt. Mit prachtvollem Bass vermittelt er in der wohl bekanntesten Arie der Oper die Tragik, nicht wie der geliebt zu werden von einer jungen Frau, die seinem Sohn versprochen und ihm angetraut ward. Hier findet er sich in der gleichen Klemme wie die anderen Akteure, deren persönliches Tun immer wieder am Zeitgeist gemessen 
wird und daran scheitert. Klingt da Zynismus oder Resignation ob der Erkenntnis, als weltliche nur die 
zweite Macht zu sein?

Stimmliche Reinheit 
In der Person der Elisabeth schneiden sich die Lebensentwürfe von Königin und Geliebter. Katharina 
Warken vermittelt in ihrem Sopran eine stimmliche Reinheit, die ihr als Figur nicht gegeben wird. Mit 
Leidenschaft kratzt sie am übergroßen Bild des Geliebten, gleichwohl wie es die eifersüchtige Eboli tut. Und Don Carlos wendet sich dem Bildnis seiner Geliebten voller Hingabe zu, umschmeichelt ihren 
Geist pantomimengleich. Die Elisabeth Katharina Warkens überzeugt stimmlich differenziert durch das Befangensein zwischen juvenaler Sehnsucht nach dem Glück und Staatsräson. 
Johannes Rieger leuchtet mit seinem Orchester den Verdischen Reichtum der Musik aus. Dabei 
verfällt er nicht der Verführung zu pompösen Bombast. Er fühlt sich in die klanglich recht sonore Partitur ein, verzichtet nicht auf eine Portion Pathos, entblättert Zartheit der Celli, ringt um sensible Töne und lässt dem Blech dessen Platz. Viel Beifall für das Orchester, das sich am Schluss auf der Bühne zeigte.