Die wahrhaftige und ungetrübt ehrlich erzählende Musik Peter Tschaikowskis ist bei Kennern und Laien gleichermaßen beliebt. Die schönsten Kompositionen entstanden für das Ballett. Jaroslaw Jurasz zeigt nach den erfolgreichen Tschaikowski-Inszenierungen von „Der Nussknacker“ und „Der Traum vom Schwan“ das große Ballett „Dornröschen“, das 1890 in St. Petersburg uraufgeführt wurde, in einer Fassung für Erwachsene und Kinder. In seinem einfallsreichen semiklassischen Stil erzählt er das Märchen vom Mädchen, dass sich an der Spindel gestochen hat, in phantastischen Bildern und lässt die Figuren menschlich aus dem Märchen hervortreten. Gelingt es dem Prinzen Dornröschen aus ihrem Schlaf zu erwecken?
Aufführungsdauer: ca. 1 ½ Std.
Besetzung
| Inszenierung und Choreografie | Jaroslaw Jurasz |
| Ausstattung | Kordula Kirchmair-Stövesand a.G. |
| Dornröschen | Tiana Lara Hogan |
| Prinz | Jaume Bonnin |
| Aurora - Gute Fee | Kimiko Koo |
| Carabosse | Stephan Müller |
| Blaue Vögel | Stephan Müller / Judith Speckmaier |
| Katze | Jaume Bonnin |
| Freund des Prinzen | Daniel James Butler |
| König | |
| Königin | Nina Schneppmüller |
| Hofdamen | Katia Alves de Alencar / Ute Karadimow / Eriko Takamura a.G. |
| Hofherren | Daniel James Butler / Jaume Bonnin / Marcelo Dono |
| Begleiter Carabosse | Katia Alves de Alencar / Marcelo Dono |
| Amme | Ute Karadimow |
| Diener, Vögel, Blumen | Kinder- und Jugendballett |
Pressestimme: „Dornröschen“ ist auch mit kleiner Compagnie ein Tanzfest
Volksstimme Halberstadt, 23.11.2009
Vorweihnachtszeit ist auch am Nordharzer Städtebundtheater Märchenzeit. Hier kann das Publikum Inszenierungen gleich zweier Sparten erleben. Das Schauspiel zeigt „Aladin und die Wunderlampe“ . Und am Sonnabendabend hatte Peter Tschaikowskis Ballett „Dornröschen“ in Halberstadt Premiere.
Von Helmut Rahm
Halberstadt. War es nur Mut oder gar Übermut vom Ballettchef Jaroslaw Jurasz, gerade dieses Stück auf die Bühnen in Halberstadt und Quedlinburg zu bringen? Wird nicht fast immer, bewusst oder unbewusst, jede Fassung an der Uraufführung in St. Petersburg 1890 (Choreografie Marius Petipa) und den darauf basierenden späteren gemessen, zumindest damit verglichen? Tschaikowskis Ballette in der klassischen Form leben von einer sehr großen Personage - und der Musik. Die Musik des großen russischen Komponisten verwendet Jaroslaw Jurasz natürlich auch. Obwohl „nur“ von der Konserve eingespielt, büßt sie nicht an emotionaler Ausstrahlung ein. Das Problem ist vielmehr die nur acht Tänzerinnen und Tänzer umfassende Städtebundtheater- Compagnie. Und gerade auf viel Tanz, auf Ballett klassisch, setzt die Choreografie. Jurasz gelingt eine beachtenswerte Lösung, die beim Premierenpublikum im nicht voll besetzten Theater mit Szenenbeifall und großem Schlussapplaus honoriert wurde. Ganz nahe am Märchenoriginal in drei Akten, konzentriert sich Jaroslaw Jurasz hier auf die handlungsrelevanten Personen, die Zahl der Hofdamen, Hofherren usw. ist auf ein noch erkennbares „großes Gefolge“ verknappt, Compagniemitglieder tanzen mehrere Rollen, engagierte Laiendarsteller sind einbezogen und das Kinder- und Jugendballett.
Farbenfrohe, opulent gestaltete Kostüme
Opulent gestaltete farbenfrohe Kostüme in einer mehr fragmenthaften Bühnengestaltung (Ausstattung: Kordula Kirchmair-Stövesand) geben dem Stück optische Relevanz. Stimmungsvolle Atmosphäre wird durch effektvolles Licht, Nebel, wo er wirklich hinpasst, und Kleinexplosionen wirkungsvoll „geschürt“. Auf einer semitransparenten Leinwand werden die Zeitverläufe der Handlung - Heranwachsen. der Prinzession und Dauerschlaf im Schloss - ideenreich und schnell“ vollzogen“ .
Alles schläft, ganze 100 Jahre
Weil König (Volker Reichenbrenner) und Königin (Nina Schneppmüller) sich mit der meist von der Amme (Ute Karadimow) betreuten einjährigen Prinzessin freuen, wird gefeiert. Hofdamen und Hofherren erbringen ihre „Referenz“ mit klassischen Tanzfiguren, in Folgen von Dreh- und Hebefiguren und raumgreifenden Schrittkombinationen und Sprüngen. Die gute Fee, gülden gekleidet und anmutig getanzt von Kimiko Koo, bringt Segen. Stephan Müller lässt Carabosse, die böse Fee, in düsteren Farben kostümiert, mit expressiven Tänzen Unheil für die junge Prinzessin verkünden. Die Zeit vergeht. 16. Geburtstag. Wieder ein Fest. Der Zuschauer kann sich an vielen Tanzeinlagen von Solo über Pas de deux bis zur Gruppenaktion erfreuen. Tiana Lara Hogan tanzt ein lebensfrohes Dornröschen. Anja Herrn. und Stephan Müller begeistern als blaue Vögel. Wieder Klassik pur, hier und da mit einem Hauch Komik gewürzt. Dann der von der Bösen initüerte „Spindelunfall „. Alles schläft, ganze 100 Jahre. In der Jagdszene erscheint dem Prinzen (Daniel James Butler) eine faszinierend getanzte Vision, Sehnsüchte werden erlebbar. Mit viel Mut besiegt er Carabosse und seine Helfershelfer. Der Weg ist frei ins Schloss. Ein Kuss. Die Prinzessin erwacht. Liebe. Hochzeit. Happy End. Es wird gefeiert, natürlich mit Tanz. Ergreifende Schönheit prägt das Hochzeits-Pas de Deux. Jaroslaw Jurasz veranstaltet ein wahres, recht langes Tanzfestival bester Qualität mit richtig Aktion auf die Bühne. Dieses „Dornröschen“ ist durchaus gelungen, nicht vergleichbar mit St. Petersburg, aber bei weitem auch keine „Notlösung“. Der Beifall ist allemal verdient. Für die Vormittagsaufführungen gibt es eine zeitlich reduzierte Version von eineinhalb Stunden. Nächste Aufführungen sind am 1. (Quedlinburg) und 3. Dezember (Halberstadt), jeweils um 10 Uhr.
Pressestimme: Ode an tänzerischen Zauber
Mitteldeutsche Zeitung, 24.11.2009
HALBERSTADT/MZ. Das war ein solistischer Einstieg nach Maß. Tiara Lara Hogan debütierte am Städtebundtheater als Dornröschen im gleichnamigen Ballett von Jaroslaw Jurasz mit Musik von Peter Tschaikowski. Jurasz, gerade erst mit dem Theaterpreis geehrt, schafft einen wunderschönen Bilderreigen in einer adäquaten Ausstattung von Kordula Kirchmair-Stövesand.
Die Märchenhandlung ist bekannt, dass Dornröschen als das größte und anspruchsvollste Ballett der klassischen Epoche gilt ebenso. Die Halberstädter Inszenierung reduziert die Opulenz auf das personell und technisch Machbare. All die Märchenfiguren bis auf das weiße Kätzchen: gestrichen.
Doch der elegant-schmeichelnd tanzende Daniel James Butler bleibt der Prinzessin ein sympathischer Begleiter. Keine Kirchblüten-, Nelken-, Kolibri- oder Saphirfee, weder Kristall- und Silberfee, dafür Kimiko Koo als eine Gute Fee in Gold. Und die tanzt noch dazu sehr gut; ausdrucksstark, sicher und technisch versiert. Jurasz versteht seine gute Fee als Ballerinen-Tanzpartie und nicht als reine Pantomime.
Doch diese Inszenierung vermag es große wie kleine Ballett- und Märchenfans von den Zuschauersitzen zu reißen. Das große Werk kommt wie ein Film auf die kleine Bühne. Auf dem Vorhang flimmert der Vorspann, entstehen filmisch Schloss- und Rosenbilder, entwickelt sich in den 100 Jahren Schlaf filmisch die ganze Pause über das Reich und die Natur. Eine tolle Symbiose der Künste zum Nutzen der Aufführung und vielleicht ein Schritt auf die aktuellen Sehgewohnheiten seiner Zuschauer zu.
Eindrucksvolle Tanzbilder gemalt
Der Ballettmeister des Hauses erweist sich erneut als durchaus lyrischer Geschichtenerzähler und als Maler von eindrucksvollen Tanz-Bildern. Dabei bleibt er nah am Märchen und pflegt dabei seinen semiklassischen Stil, wobei er ein großes Schrittvokabular nutzt.
Der Besucher spürt, wie viel da in dieses Stück, dass es in der Kurz- und 45 Minuten längeren Abendvariante gibt, investiert wurde. Es tanzt nicht allein das achtköpfige Ballettensemble, da erlebt man Kinder- und Jugendballett und Mitarbeiter des Hauses wie Volker Reichenbecher (König) und Nina Schneppmüller (Königin) in ganz neuen Rollen. Die Protagonisten der Inszenierung besetzt Jaroslaw Jurasz durchaus überraschend und dabei traditionsbewusst.
Ein Mann als böse Fee
Als böse Fee Carabosse erlebt man wie bei der Uraufführung 1890 en travestie einen Mann: Stephan Müller. Den hat die Ausstatterin auch äußerlich recht dämonisch ausstaffiert. In seinem Pas de deux mit der technisch sehr präzisen Anja Herm als blaues Vogelpaar tanzt er wie tief im Schwelgen der Musik Tschaikowskis verwurzelt. Seine Drehungen wirken sauber auf den Punkt gebracht, wie eine Feder leicht hebt er athletisch seine Tanzpartnerin. Das Vogelpaar bekommt bei Jurasz eine besondere Verwandlungsrolle zugeschrieben, ist düstere Hexenverkörperung, Werkzeug, Hochzeitsgeschenk und Freiheitssymbol.
Daniel James Butler gibt einen sprungsstarken, elegant wirkenden Prinzen, der mit seiner Prinzessin sicher und mit herrschaftlicher Eleganz den berühmten Liebe bekundenden Pas de deux meistert. Tiara Lara Hogan vermag das jugendliche Suchen und Schwärmen, die Verspieltheit im Beisammensein mit dem Kätzchen und die Traumsequenz grazil und körperbewusst zu vermitteln. Vom lebenshungrigen Mädel im ersten Akt über die Traumtänzerin im zweiten wächst sie zur jungköniglichen Dame im letzten, beglückenden, nicht allzu in die Länge gezogenen finalen Bild.
Juraszs mischt unter seine Ode an den tänzerischen Zauber der Vergangenheit immer wieder kleine Gags wie die abstürzenden Enten bei der eher bescheidenen Jagd oder mit dem wiederholten Gebrauch von Blitz- und Donnerschlägen. Timo Felix Bartels, Jaume Bonnin, Katia Alves de Alencar und Ute Karadimow trugen in gewohnt hoher tänzerischer Qualität gleich in mehreren Rollen dazu bei, dass der "Dornröschen"-Besuch ein absolutes Muss in der Vorweihnachtszeit für Ballettfreunde ist. Freunde der brillanten Musik des Russen Peter Tschaikowski mit ihrer ganz besonderen Magie und dem musikalischen Reichtum müssen mit dem Kompromiss leben, statt sattem Orchesterklang Konservenmusik zu hören. Die aber ist gut eingespielt.