Die Hochzeit des Figaro
Komische Oper nach Beaumarchais von Lorenzo da Ponte
Ein Spiel um Standesrang und Liebesstand, heiter erzählt mit der wunderbaren Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Figaro und Susanna wollen heiraten, doch Graf Almaviva stellt Susanna nach, also ist Figaro eifersüchtig. Die Gräfin ist auch eifersüchtig und flirtet mit dem jungen Kadett Cherubino, also ist auch Graf Almaviva eifersüchtig. Bald ist nicht mehr klar zu unterscheiden, wo die Liebe echt und wo sie von anderen Gefühlen gelenkt ist. Das Ende nehmen die Frauen in die Hand und entlarven ihre Männer durch ein schlaues Verkleidungsspiel. Eine Geschichte, die auch heute nachvollziehbar ist, denn Untreue und Eifersucht sind zentrale, alle Zeiten und Sozialisationen überdauernde Themen im zwischenmenschlichen Miteinander. Wenn sich doch alle Liebenden verzeihen könnten!
Termine
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| So, |
02.05.10, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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| Fr, |
07.05.10, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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Besetzung
Fotos








Pressestimme: Die Musik entlarvt Eitelkeiten
Volksstimme Halberstadt, 15.2.2010
1786 wurde Mozarts "Le nozze di Figaro" uraufgeführt. Bald schon gab es erste deutschsprachige Fassungen. Am bekanntesten wurden die Da Ponte-Übersetzungen von Hermann Levi aus dem 19. Jahrhundert, die aber seit 1933 in Deutschland nicht mehr gespielt wurden. Das Nordharzer Städtebundtheater hat in seiner Inszenierung "Die Hochzeit des Figaro" die Hermann-Levi-Übersetzung aufgegriffen. Premiere war am. Sonnabend in Halberstadt. Von liane Bornholdt Halberstadt Auch in der Fassung ohne Rezitative greift die Inszenierung in der Regie von Susanne Knapp und unter der musikalischen Leitung von Martin Hannus auf Aufführungspraktiken des 19. Jahrhunderts zurück.
Es ist ein wirklich "toller Tag", an dem Susannas und Figaros Hochzeitsvorbereitungen alle Gefühle ans Tageslicht bringen und zu einem wahrhaft verwirrenden Knoten aus Begehren und Eifersucht, aus Ver- und Unterstellungen, Trauer und Versöhnungen, vor allem aber aus tiefstem Verzeihen und wahrhaftiger Liebe verschnüren. Für die Inszenierung am Nordharzer Städtebundtheater haben Regisseurin Susanne Knapp und Ausstatterin Alrune Sera ein Bühnenhaibrund geschaffen, das mit e,iner Vielzahl von Tapetentüren ideale Möglichkeiten fürs heimliche und offensichtliche Verschwinden und Erscheinen der Sängerspieler gibt. Die Darsteller sind fast ausschließlich auf ihre Spiel- und sängerische Ausdruckskunst angewiesen, um die verwirrenden Geschehnisse und emotionalen Wechselbäder zu zeigen. Aber die Zuschauer haben natürlich Mozarts geniale Musik, und diese führt sicher durch alle, auch die geheimsten Verästelungen - die Musik entlarvt die Eitelkeiten. Martin Hannus hat sich musikalisch auch mit der Praxis des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Auffällig sind die wechselnden Tempi, sehr schnell etwa die Ouvertüre oder Figaros aufmüpfige Cavatine im 1. Akt ("Will der Herr Graf ein Tänzchen wohl wagen"). Dem gegenüber stehen Ruhepunkte und zarte Schwingungen etwa in der Gräfinnenarie oder in Susannas Rosenarie ("0 säume länger nicht") und eben im berühmten Liebesduett. Schön auch die ausdrucksvollen Bläser aus dem Orchestergraben.
Alle täuschen und verstellen sich
Dass in dieser Inszenierung auf alle Rezitative verzichtet wurde, was die ganz Oper auf schnelle zweieinhalb Stunden verkürzt, lässt allerdings manches sehr abrupt aufeinanderfolgen. 'Der Graf von Juha Koskela ist das eigentliche Mannsbild der Geschichte. Er verstand es wunderbar, echte Gefühle zum Ausdruck zu bringen, alles sehr glaubhaft und sängeruch souverän. Mozarts Figuren sind immer ambivalent, menschlich eben. Der Titelheld Figaro etwa, gesungen von Gijs Nijkamp, ist nicht nur der pfiffige Taln)ensch, er ist auch eifersüchtig und grob. Susanna , gesungen von Bettina Pierags, hält die Fäden zusammen. Die Sängerin traf sehr schön die Zwischentöne. Die Gräfin, Kerstin Pettersson, ist die tragische Figur, deren Verzeihung nicht erhört wird, und das drückte sie auch trotz Indisposition sehr glaubhaft aus. Zauberhaft Marlene Behrmann als Barbarina, die in ihrer traurigen f-Moll-Arie auch offenbar den Grafen anhimmelt, obwohl ihr Text Gegenteiliges behauptet. Alle täuschen und verstellen sich, nur Cherubino nicht. Regina Plätzer singt und spielt hinreißend die reine jugendliche Liebessehnsucht die alle anrührt. Die interessantesten, Stücke der Oper sind allesamt Ensembleszenen. "Die Hochzeit des Figaro" ist die Oper, in der alle etwas verheimlichen. Mozart löst die Verwirrungen musikallsch in den wunderbar..en Finali. Wenn diese gelingen, wie es in Halberstadt hervorragend zu erleben war, muss auch die gesamte inszenierung gelingen.
Pressestimme: Eifersuchtsarie in Lava-Rot
Mitteldeutsche zeitung
VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ- Regisseurin Susanne Knapp führt Mozarts „Le nozze di Figaro“ in Halberstadt
wieder auf eine singspielartige Fassung zurück und greift dabei zu einer alte Übertragung von Hermann
Levi. Trotzdem wirkt die Aufführung keineswegs museal und verstaubt, sondern dynamisch, farben
froh, bild- und klangreich.Auch wenn diese Fassung ohne
Rezitative durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Sie bürdet der Musik
und den Sängern die Last auf, die
verzwickte Geschichte auch ohne
die zumeist Cembalo-begleiteten
Zwischenstücke zu forcieren. Was
natürlich den Vorteil fürs Publikum hat, dass Mozarts Opera buffa
in rund zweieinhalb Stunden über
die hiesige Bühne geht, doch
durchaus größere Aufmerksamkeit
fordert, um die jähen Wendungen
nachvollziehen zu können.Der stürmische Applaus und die
Begeisterung des Halberstädter Publikums beweisen, das Konzept
von Susanne Knapp, von Halberstadts früherer Ausstattungsleitein Alrune Sera und Martin Hannus am Pult ging voll auf. Dass dies so war, verdankt das Inszenierungsteam einem wunderbaren
Sängerensemble. Da störte es wenig, dass Kerstin Pettersson zur Premiere stimmlich indisponiert
war, wie Intendant Johannes Rieger vor Beginn und dem nicht vorhandenen Vorhang verkündete. So
steigt der Zuschauer sofort in das
angekippte Halbrund der Bühne
mit den magischen sieben Tapetentüren ein, denen durch Öffnen,
Schließen, Anlehnen und als Versteckmöglichkeit eine wichtige
Rolle zukommt.
Kardinalfarbe des Abends ist das
tiefe Liebe symbolisierende Rot.
Doch deren Reinheit wird immer
wieder ver- und abgedeckt. Allein
Cherubino steht zu diesem uneingeschränkten, absoluten Lieben.
Alle Anderen legen bereits in der
Ouvertüre andere Farben und Kleidungsstücke drüber. Liebe, Wechselbäder der Emotionen, Eifersucht, wahre und gespielte Untreue, Begierde und Resignation,
all das mischt sich bei Mozart und
Knapp. Es quillt wie ein Lavastrom
der Gefühle durch ein Loch aus der
Tiefe des Bühnenbodens auf die
Spielfläche.
Die Entdeckung des Abends
dürfte die neu engagierte Regina
Plätzer sein. Ihren Cherubino singt
sie anrührend ohne jegliche Debüt-Nervosität klar und rein bis in die
Seele. Ihr üppiger Mezzo wirkt vital, ihr Spiel strahlt ungebremstes
Liebessehnen aus. Als Susanna ist
die erfahrene Bettina Pierags wunderbar besetzt. Spielfreudig-keck
und durchaus auch handgreiflich
agierend, klang ihr Sopran selbst in
den Höhen unangestrengt, durchaus mit einer Spur Erotik behaftet.
Ihre Rosen-Arie wirkte kräftig-
frisch und sicher geführt. Gijs Nijkamps verströmt in der
Titelpartie als Figaro satten Klang
und Ausgeglichenheit in allen Lagen.. Durchaus charmant, wirkt er
zuweilen auch zupackend, wenn
ihn die Eifersucht übermannt. Sein
Gegenpart, der weibstolle Graf Almaviva, darf in der Inszenierung
recht differenziert das Spektrum
vom Macho über den eifersüchtigen Ehemann bis zur gefühlvollen
Sehnen und Zweifeln bedienen.
Das kommt dem stimmlich souveränen Juha Koskela, der darstelle
risch gewonnen hat, mit seinem
unterschiedlich gefärbten Bariton
sehr entgegen.Seine ewig hintergangene Gattin
Kerstin Pettersson wirkt authentisch. Die Rolle der Gräfin Almaviva hat etwas Aristokratisches, sie
scheint sich an ihre Rolle gewöhnt
zu haben und wird erst wach und
aktiv, als sie sich beim Anblick des
jungen Paares an ihre verschüttete
Liebe erinnert.
Das Vertrauen, das ihr mit der
Rolle der Barbarina entgegengebracht wurde, rechtfertigt die junge Marlene Behrmann spätestens
mit der professionell dargebotenen
f-Moll-Arie. In kleineren Rollen
sind durchaus passable Leistungen
in Stimme und Spiel von Gerlind
Schröder, Klaus Uwe Rein, Norbert
Zilz und Tobias Amadeus Schöner
zu erleben. Zur starken Ensemble-
Leistungen trägt zudem der von Jan
Rozehnal bestens in Szene gesetzte
grau gewandete Chor bei.
Martin Hannus sucht die verspielte Leichtigkeit bei Mozart, dif
ferenziert die Tempi recht stark. Er
arbeitet mit seinem Orchester, dessen Klang zuweilen fast kammer
musikalisch daher kommt. Dabei
stimmte die Balance zwischen Bühne und Orchestergraben, und In
strumentengruppe hatten die
Chance, sich durch Wohlklang hervorzuheben.
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