#Es_ist_Liebe
Jubiläumsspielzeit 2016/17

Der Freischütz

Oper von Carl Maria von Weber

Max soll einen Probeschuss ablegen, um Agathe, die Tochter des Erbförsters Cuno, zur Frau zu erhalten. Doch seine Treffsicherheit scheint ihn verlassen zu haben, weshalb er sich von Caspar überreden lässt, um Mitternacht in der verrufenen Wolfsschlucht in einem schaurigen Zeremoniell sieben „Freikugeln“ zu gießen, von denen es heißt, sie träfen jedes Mal unfehlbar ihr Ziel. Als das Probeschießen beginnt und von Max verlangt wird, dass er eine weiße Taube treffe, scheint das Unheil seinen Lauf zu nehmen. Der junge Jäger schießt, seine Braut bricht tot zusammen und der dem Wahnsinn verfallene Protagonist endet im Irrenhaus… So tragisch schließt die dem „Freischütz“ zugrundeliegende Volkssage. Carl Maria von Weber und sein Librettist Friedrich Kind wählen jedoch – aus Zensurgründen – einen anderen Schluss für ihre Oper. Der bereits 1821 bei der Uraufführung in Berlin enthusiastisch gefeierte „Freischütz“ fesselt musikalisch nicht zuletzt durch seine permanenten „Wechsel der Töne“ und provoziert immer wieder als romantisches Schicksalsdrama, in dem die eher leidenden als handelnden Protagonisten den Sphären des Dämonischen und Schaurigen wie des Heiligen und Frommen ausgeliefert zu sein scheinen.
Regisseur Christian Poewe und Bühnen- und Kostümbildnerin Wiebke Horn fokussieren in ihrer neuen, mit raffinierten multimedialen Bühneneffekten arbeitenden Inszenierung des nicht nur wegen seines Brautjungfern-Chores oder der Wolfsschlucht-Szene so legendären deutschen Opern-Klassikers insbesondere auf die verstörenden, desillusionierenden Erfahrungen einer vom Dreißigjährigen Krieg geprägten Nachkriegsgeneration. Konsequent wird dabei die Erzählperspektive des handelnden Protagonisten eingenommen: Max, gepeinigt von Erfolgsdruck und Versagensängsten, erlebt das gesamte Geschehen als eine Art düstere Traumsequenz.

Wir danken demTheaterförderverein Halberstadt sowie Rainer und BrigitteWestendorf für die freundliche Unterstützung dieser Inszenierung.


Musikalische Leitung  MD Johannes Rieger
Inszenierung  Christian Poewe
Bühne und Kostüm  Wiebke Horn
Ottokar, böhmischer Fürst  Sönke Morbach
Kuno, fürstlicher Erbförster  Klaus-Uwe Rein
Agathe, seine Tochter  Annabelle Pichler / Runette Botha
Ännchen, eine junge Verwandte  Nina Schubert
Caspar, erster Jägerbursche  Juha Koskela
Max, zweiter Jägerbursche  Tobias Amadeus Schöner
Ein Eremit  Gijs Nijkamp
Kilian, ein reicher Bauer  Matthias Junghans
Samiel  Jaume Bonnin
  Orchester, Chor, Verstärkungschor und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters

Wenn Träume sprechen

In Halberstadt gelingt eine „Freischütz“-Inszenierung ohne überflüssige Zutaten

Regisseur Christian Poewe, seine Ausstatterin Wiebke Horn und Musikdirektor Johannes Rieger schufen am Nordharzer Städtebundtheater eine grandiose Inszenierung. Sie lebte durch die nie versiegende Kraft der Fantasie. Zehn Minuten lang stehende Ovationen und ein Bravo-Chor.
Woher rührte zur Premiere dieser Beifallssturm? Vor allem aus dem Dreiklang von Musik, Darstellung und Szene. Aus den aufregend großen Bildern. Aus genauer Kenntnis der Oper von Carl Maria von Weber und ihre Entstehungsgeschichte durch alle Interpreten das Orchester, die Sänger, den Chor, das Schauspielensemble, die Grafiker des Videoteams, Maske Kostüm und Licht eingeschlossen. Da stimmte einfach alles!

Dieser „Freischütz“ ist überreich an Einfällen. Eine musikalisch vortreffliche und szenisch hochinteressante Arbeit! Die Inszenierung sei allen Opernfreunden empfohlen.

Hans Walter / Volksstimme