Gretchen 89 ff.
Theaterkabarett von Lutz Hübner
Eine Theaterprobe in Variationen. Die Einstudierung von Gretchens „Kästchenszene“ aus Goethes „Faust“ wird zur kabarettistischen Modellsituation für die unterschiedlichsten Theatertypen, an denen nicht nur Insider ihren Spaß haben. Der Zuschauer findet die mehr oder weniger bekannten Künstlerklischees aus dem Theateralltag ironisch bestätigt. Identifizierend wirken die hoffnungsvolle Schauspielanfängerin und der ambitionierte Jungregisseur, denen die Neurosen der „erfahrenen“ Kollegen übel mitspielen: Der Anekdoten erzählende alte Hase, die zickige Diva oder der konzeptionslose Regisseur machen die Probe zum Selbstzweck ihrer Extrovertiertheiten. Lutz Hübners humoristischer Stil und bodenständiger Realismus, in der die Liebe zu den Figuren plastisch wird, trifft zielsicher den Nerv des Publikums.
Termine
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| So, |
09.05.10, |
15.00 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
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| Fr, |
14.05.10, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
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| So, |
13.06.10, |
17.00 |
Uhr |
Wasserschloss Westerburg
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| Fr, |
25.06.10, |
20.00 |
Uhr |
Wasserschloss Westerburg
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| Sa, |
03.07.10, |
17.30 |
Uhr |
Kreuzgang Liebfrauenkirche Halberstadt
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| So, |
11.07.10, |
20.00 |
Uhr |
Wipertihof Quedlinburg
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| Do, |
15.07.10, |
20.00 |
Uhr |
Kreuzgang Liebfrauenkirche Halberstadt
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| Fr, |
23.07.10, |
20.00 |
Uhr |
Wipertihof Quedlinburg
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| So, |
25.07.10, |
20.00 |
Uhr |
Kreuzgang Liebfrauenkirche Halberstadt
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Besetzung
Fotos










Pressestimme: Vom ganz normalen Wahnsinn im Probenraum des Theaters
Volksstimme Halberstadt, 26.4.2010
Lange nicht so gelacht im Theater! Bei "Gretchen 89 ff." bleibt kein Auge trocken. Die Inszenierung von Robert Klatt erlebte am vergangenen Wochenende am Nordharzer Städtebundtheater eine umjubelte Premiere. Das Stück von Lutz Hübner nimmt den Theateralltag mit seinen schrulligen Typen gehörig auf die Schippe. Theaterleute liefern den selbstironischen Blick auf die Neurosen des Theaters.
Von Claudia Klupsch
Quedlinburg. Der Titel "Gretchen 89 ff.“ bezieht sich auf eine Textstelle in Goethes Faust, Reclam- Ausgabe, Seite 89 ff, Auftritt Gretchen. "Es ist so schwül und dumpfig hie ... ", sagt die Jungfrau, entflammt von der ersten Begegnung mit Faust. Sie entdeckt das Schmuckkästchen, das Mephisto im Schrein deponiert hat ... Das Publikum hat freien Blick in den Theater-Probenraum und erlebt nun in unterschiedlichen Varianten, was sich beim Einstudieren der berühmten "Kästchenszene" ereignen kann.
Schauspielerin und Regisseur, die zwei „natürlichen Angstgegner am Theater“ (Hübner), sind aufeinander losgelassen. Die Grundsituation wird mit wechselnden Typen immer wieder durchgespielt. Macken und Marotten der Protagonisten treten zu Tage, Wortwitz und komödiantisches Spiel lassen Lacher auf Lacher folgen. Kein Klischee wird ausgelassen.
Julia Siebenschuh und Benedikt-Florian Schörnig sind das kongeniale Paar auf der Bühne. Beide führen abwechselnd moderierend durch den Szenenreigen, den Schalk in Blick und Stimme. Blitzschnell schlüpfen sie sodann in ihre Rollen, erfreuen mit ihrer komödiantischen Gabe, wechseln scheinbar mühelos die Charaktere. Es macht Spaß, ihrem Spiel zuzuschauen. Zunächst fokussiert sich der Blick auf die Regisseure. Schörnig spielt sie alle wunderbar kauzig. Maßvoll überspitzt zeigt er sie, ohne ihre wahre Existenz abwegig erscheinen zu lassen.
Da ist der "Schmerzensmann", unter Nikotinentzug leidend, mit arroganter Distanz zu Schauspielerin und Publikum. "Du brauchst dich nicht vor mir erniedrigen, bloß weil ich hier Regie führe", faucht er. "Kotz den Text dem Abo-Schwein auf die Jacke", ist ein anderer entzückender Satz. Nicht minder amüsant kommt der "alte Haudegen" daher. Er schwärmt von großen Bühnenzeiten, hinkt und verpasst sich Pillen und Augentropfen, während die arme Schauspielerin darum ringt, Gretchen zu mimen.
Ersten Szenenapplaus verschafft Typ "Tourneepferd ". Hier ist es ein Mann mit Wiener Schmäh, ein alternder Gockel, der eher die junge Schauspielerin begrapschen als Szenenarbeit machen will. Köstlich: Am Ende tänzelt er mit Gretchen im Walzertakt. Noch schräger treibt es der "Freudianer" in Lederjacke, für den es in der Szene um "Sex, Sex, Sex" geht und der von Goethe behauptet, er sei "versaut bist auf die Knochen". Für ihn ist das Schmuckkästchen Phallussymbol und Gretchen soll als peitschenschwingende Domina auftreten. Julia Siebenschuh sorgt für andauernde Heiterkeit, indem sie in der Rolle der naiven beflissenen Jungschauspielerin jeder noch so absurden Regieanweisung folgt. Urkomisch, wie sie versucht, "fleischlich" zu spielen, im Walzertakt mitzuhalten oder sich in völlig überdrehtem Spiel ständig auf die Knie fallen lässt! Der Fokus der Typenbetrachtung wechselt nach der Pause auf die Theatermacherin.
Ein Glanzlicht im Stück ist Siebenschuhs Auftritt als zickige Diva in roter Stola, die eine Tirade auf das Provinztheater ablässt. „Ich muss weg hier!", schreit sie heraus. Genauso muss sie sein, die Diva, die sich von allen verkannt fühlt! Für Lachsalven sorgt Siebenschuh auch als hyperintellektuelle Dramaturgin. Zum Piepen komisch, wenn sie mit geschürzten Lippen und wichtiger Miene ihren männlichen Gretchen-Darsteller auffordert: "Versuche mal, gar keine Figur zu spielen!"
In "Gretchen 89 ff." amüsiert sich das Publikum von Anfang an köstlich. Längst geahnt und jetzt bestätigt: Am Theater sind alle verrückt oder Theaterleute sind auch nur Menschen. Spartanisch ausgestattete Bühne, den Typen angepasste Kostüme - mehr ist in diesem Theaterkabarett nicht nötig. Das Stück lebt vom genialen Hübner-Text, an dessen Inszenierung Regie und Schauspieler vermutlich großen Spaß hatten. Wie mögen, wohl die Proben gelaufen sein?
Pressestimme: Gretchen trifft auf Regie-Gott
Mitteldeutsche Zeitung Quedlinburg, 27.4.2010
VON UWE KRAUS
QUEDLINBURG/MZ- Was das Publikum nach der zweistündigen Inszenierung
mit nach Hause nimmt, ist zumindest der Satz im Ohr „Es ist so schwül,
so dumpfig hie ...“ Wenn es ihn nicht eh drauf hat, denn in der seit
Urzeiten erstmals nicht ausverkauften Premiere in der Neuen Bühne
tummelten sich zahlreiche „Betroffene“, die das Erlebte so oder anders
selbst kennen.
Wie oft mag der Satz gefallen sein in den schier endlosen Proben der
Kästchenszene aus Goethes „Faust“, die sich auf Seite 89 fortfolgende
der Textfassung findet. Mit mehr Goethe wird der Besucher auch nicht
belästigt. Julia Siebenschuh steigt mit Benedikt-Florian Schörnig zum
Clinch um die Goethe-Interpretation in den Ring oder besser auf die
von Petra Mollerus schlicht gestaltete und mit wenigen markanten
Requisiten versehene Probenbühne. Nach kurzen einführenden
Begrüßungsworten treffen zehnmal aufeinander Gretchen (Neunmal
Siebenschuh und einmal Schörnig) und ein Regisseur. Und was das
schlichte Theaterpublikum schon immer zu wissen glaubte, tritt ein:
Macke trifft Zicke, Selbstdarsteller vor dem Herrn auf verkannte Diva.
Es ist schon ein eigenes Völkchen.
Lutz Hübner schuf eine pralle Theatersatire, die rundherum im
deutschen Sprachraum Erfolge feiert. Weil er genau beobachtet hat,
knackige Sätze in den Text schrieb, bei dem die Darsteller ihrem Affen
einfach Zucker geben können und in kurzer Zeit in diverse Charaktere
und Sprachstile schlüpfen können. Regisseur Robert Klatt, hier bereits
mit „Loriot“, „Pippi“, „Cyrano de Bergerac“ oder „Hotzenplotz“
einschlägig bekannt, fand mit Julia Siebenschuh und Benedikt-Florian
Schörnig zwei passable Darsteller, die nicht nur zu spielen scheinen,
sondern einige Attitüden durchaus auch zu leben. Hier werden offene
Rechnungen beglichen, Frust abgelassen, es wird sich selbst misstraut
und missverstanden. Und gehasst: der durchgeknallte Regisseur, die
Wischiwaschi-Kritik, die zu wenig lobt und Diven-Namen verstümmelt,
sowie besonders das Publikum, dem man gern mal kräftig auf das
Abonnenten-Sakko kotzen würde.
Das ist ein Abend großer Gesten und des Wortgemetzels, bestens auf die
beiden Akteure fokussiert. Wie Birgit Kowalski alias Siebenschuh
überzeichnet, hechelt, ihr Gesicht verzieht und den Dialekt wechselt,
schreit und dann wieder nicht die Zähne auseinander bekommt, das
scheint ihr auf ihr Gretchen-Probenkostüm geschneidert zu sein. Ihr
Widerpart gefällt durch seine Wandelbarkeit nicht minder. Im
Sammelsurium der Regisseur- Archetypen wirkt er mal reichlich genervt,
mal mahnt er obercool „Trink doch ruhig noch ’nen Kaffee, wir haben
Zeit“, ein anderes Mal walzert er selbstverliebt und sexselig mit der
Darstellerin über die Bühnenbretter. Er nimmt seine Herz- und
Augentropfen, streicht die Szene auf das Wesentliche: „Schwül ist es,
irgendwie. Mutter ist weg. Toller Mann. Ach, wir Armen.“
In der Kollektion überspitzter Theateralltagsszenen gefällt Benedikt-
Florian Schörnig besonders als mit Textmappen, Kaffeetassen, Tasche
und Streichhölzern jonglierender Hospitant, Marke
„Germanistikstudenten mit problematischer Mischhaut“. Er findet
„Theater ist toll.“ Wenn es gut gemacht ist, auf jeden Fall. Darum
brachte Klatts „Gretchen 89ff.“ mit den vergnüglichen, pointierten
Dialogen denen, die da waren, sichtlich Vergnügen.
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