
Rundfunk-Werbe-Jingle
So, 13.06.10, 11.00 Uhr JKI, Bundesanstalt für Pflanzenzucht Quedlinburg Sa, 19.06.10, 19.30 Uhr Harzer Bergtheater Thale So, 20.06.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Sa, 26.06.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale So, 27.06.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Mi, 30.06.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Fr, 02.07.10, 20.00 Uhr Wasserschloss Westerburg So, 04.07.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Do, 08.07.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Fr, 09.07.10, 19.30 Uhr Harzer Bergtheater Thale Fr, 16.07.10, 19.30 Uhr Harzer Bergtheater Thale Sa, 17.07.10, 19.30 Uhr Harzer Bergtheater Thale Di, 20.07.10, 20.00 Uhr Schloss Wolfenbüttel Mi, 21.07.10, 15.00 Uhr Harzer Bergtheater Thale Fr, 31.12.10, 15.00 Uhr Großes Haus Quedlinburg Karten Fr, 31.12.10, 19.00 Uhr Großes Haus Quedlinburg Karten Sa, 22.01.11, 19.30 Uhr Großes Haus Halberstadt Karten Fr, 04.02.11, 19.30 Uhr Großes Haus Halberstadt Karten So, 13.02.11, 15.00 Uhr Großes Haus Quedlinburg Karten Sa, 26.02.11, 19.30 Uhr Großes Haus Quedlinburg Karten Sa, 05.03.11, 19.30 Uhr Großes Haus Halberstadt Karten Sa, 19.03.11, 19.30 Uhr Großes Haus Halberstadt Karten Sa, 02.04.11, 19.30 Uhr Großes Haus Quedlinburg Karten Fr, 29.04.11, 19.30 Uhr Großes Haus Halberstadt Karten
Musikalische Leitung Violetta Kollar / Symeon Ioannidis Inszenierung und Choreographie Klaus Seiffert a.G. Ausstattung Kaspar Haessig a.G. Seymour Markus Manig Audrey Julia Siebenschuh Mr. Mushnik Arnold Hofheinz Orin Benedikt Florian Schörnig Penner, Kunde, Geschäftsleute etc. Jörg Vogel Audrey II (Pflanze) Mario Mariano a.G. Audrey II - Puppenspiel Bertram Beier Chiffon Tamara Bauer a.G. Chrystal Anna Stijohann a.G. Ronnette Jenny Winkler a.G. Band Andreas Hörnig a.G. / Christian Fischer a.G. / Michael Rossol a.G. Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters
Volksstimme Magdeburg vom 22. Juni 2010
Die Monsterblume ist verdammt gefräßig. Geräuschvoll verschlingt sie menschliche Extremitäten und gar Menschen im ganzen Stück. Im Musical „Der kleine Horrorladen“ treibt diese ominöse Pflanze namens „Audrey II“ ihr schauriges Unwesen. Am Wochenende feierte eine gelungene Inszenierung vom Nordharzer Städtebundtheater Thale Premiere.Von Claudis Klupsch
Thale. „Der kleine Horrorladen“ hat seit den 80er Jahren Kultstatus erreicht. Die skurril wie lustige Story, gespickt mit rockigen Songs und schwülstigen Balladen von Komponist Alan Menken, ist großer Musical-Spaß. Die Harzer Inszenierung von Klaus Seifert setzt die Vorlage charmant und mit viel Liebe zum Detail in Szene. Mit dem ersten Ton ist das Publikum gefangen im Skid Row (Pennerviertel), Down Town, Manhattan. Das clevere Bühnenbild ermöglicht den Blick sowohl in den ruinösen Blumenladen von Mr. Mushnik als auch in das ärmliche Viertel vor der Tür. Drinnen Tristesse mit traurigen Figuren, mit maroden Möbeln und verwelktem Gestrüpp, draußen Bettler an den Mülltonnen, Straßenhändler und freche Gören. Als alle gemeinsam ihr „Skin Row“ besingen, ist die Atmosphäre erst recht stimmig. Die Handlung geht flott über die Bühne. Das Publikum ist von der ersten bis zur letzten Minute wunderbar unterhalten und kann sich getrost auf die schräge Geschichte einlassen. Es ist die merkwürdige Pflanze, die den Laden vor dem Aus rettet. Ihre Außergewöhnlichkeit lockt die Kundschaft an, der Laden brummt, traurige Gestalten werden reich, das Viertel blüht auf. Doch das Grünzeug hat es in sich. Als Topfpflänzchen gibt es sich noch mit ein paar Tropfen Blut zufrieden, zum Ungetüm herangewachsen verlangt es nach Fleisch – Menschenfleisch. Der Horror im Laden nimmt seinen Lauf.
Das Ensemble auf der Bühne erfreut schauspielerisch wie gesanglich. Es beherrscht, Tanz, Gesang und Dialoge nahtlos ineinander überzugehen zu lassen. Fein zeichnen die Schauspieler die skurrilen Figuren. Markus Manig gibt den hilflosen und tolpatschigen Seymour herzerweichend. Julia Siebenschuh rührt als kesse Monroe-Verschnitt mit „Nehmer-Qualitäten“. Arnold Hofheinz zeigt überzeugend die Wandlung vom Bankrotteur zum verschlagenen Geschäftsmann. Benedikt-Florian Schörnig geht in der Rolle des fiesen Zahnarztes auf. Erfrischend sind die drei Damen Tamara Bauer, Anna Stijohann und Jenny Winkler, die tanzend und singend das Geschehen kommentieren.
Die Killerpflanze ist grandios in Szene gesetzt. Das Publikum wird mit ihren Metamorphosen immer wieder konfrontiert. Am Ende ähnelt sie einer riesigen Erdbeere mit wulstigen Lippen und spitzen Zähnen. Daumen hoch für dieses von Ausstatter Kaspar Haessig geschaffene Monster, für Puppenspieler Bertram Beier und Sprecher Mario Mariano! Lacher sind garantiert, wenn die Horrorpflanze mit „Gib`s mir, gib`s mir“ ihr Spezialfutter fordert.
Musikalisch setzt das Stück immer wieder Höhepunkte. Das Zusammenspiel von Schauspielern und munter aufspielender Live-Band ist gut abgestimmt. Songs wie „Jetzt hast du Seymour“, „Zahnarzt“ und „Ein Häuschen im Grünen irgendwo“ gehen ins Ohr, Tänze wie der von „Vater und Sohn“ machen Spaß. Mit einem Medley holen sich die Schauspieler ihren wohlverdienten Applaus ab. Das Publikum dankt ihnen herzlich für den amüsanten Abend voller schwarzem Humor, dem die tiefsinnige Botschaft nicht fehlt.
VON UWE KRAUS THAlE/MZ
"Der kleine Horrorladen", das Kultmusical mit dem grünen Daumen, gehört zum Trashigsten, was so über die internationalen Bühnen geht, von "The Rocky Horror Show" mal abgesehen. Nach fast zwei Jahrzehnten inszeniert es das Nordharzer Städtebundtheater mal wieder, jedoch statt mit dem Musiktheater- mit dem Schauspielensemble. Klaus Seiffert inszenierte uud choreographierte mit flotter Hand das skurrile Brachialwerk mit sadisäschern Dentisteu, blutrünstiger Monster-Primel und menschlichen Düngerstäbchen. Eigentlich beginnt alles so blumig. In der Skid Row, einer heruntergekommenen New Yorker Gegend, steht "Mushniks Blumenladen". Weil sich hierher keine zahlungskräftigen Käufer verirren, will dessen Inhaber (Arnold Hofbeinz) die Rollos für immer runterlassen. Da naht Rettung in Gestalt seines etwas tölpeligen Angestellten Seymour. Der hat in der hintersten Gewächshausecke eine ungewöhnliche Pflanze geklont. Er nennt sie nach seiner Kollegin und Frau seiner Träume "Audrey Zwo". Seit sie in die Auslage gerückt wurde, boomt das Gescbäft auch mit Rosen, Astern und Nelken. Die Welle der Medienmonster scheint den einst erfolglosen Blumenladen zu überrollen. Seymour wächst neben seiner wuchernden Schöpfung zum botanischen Superstar.
Getrieben von eigener Schöpfung
Markus Manig beginnt als ziemlich vertrottelter Typ mit dicker Brille und verschnittenen Klamotten. Sein Seymour wirkt naiv-blauäugig und voller Tragikomik. Zu einem schönen Moment gestaltet sich sein Familien-Duett mit Amold Hofbeinz. In seiner Not, Fresserchen fürs Super-Blümchen herbeizuschaffen, wandelt er sich zum von seiner Schöpfung Getriebenen, der seinen Zahnarzt zerlegt und filetiert ins Fleisch fressende Grünmaul schiebt. Jenem schmierigen lachgasabhängigeu Sadisten mit der Lizenz zum Bohren, Orin, gibt Benedikt Florian Schörnig in fransigem Lederoutfit und mit Elvis-Frisur sehr glaubbaft Gestalt. Audrey schwingt sich devot bis ins Detail auf dessen Simson-Habicht, obwohl er sie mit Handschellen, Veilchen und verletztem Arm in den Blumenladen schickt. Dort findet er sein wenig florales und vou seiner Liebsteu nicht beweintes Ende. In der Rolle der Audrey kann Schauspielerin Julia Siebenschuh beweisen, dass sie durchaus stimmlich zu punkten vermag. Etwas an Marilyn Monroe angelehnt, hängt sie ihren Träumen nach. Sie stöckelt auf der Bühne, beklagt die Situation und wünscht sich ein bescheidenes Stückchen vom Glückskeks dieser Welt. Das wirkt anrührend und vielleicht etwas weItentrückt, doch durchaus glaubwürdig. Dank der Statisterie wirkt die Szenerie im ärmlichen Stadtteil Lower Eastside sehr lebendig. Jörg Vogel obliegt es, immer wieder komische Akzente zu setzen, indem er sich vom Penner bis zur exaltierten Verleger- Gattin durch das gruselige Unternehmen spielt, ohne Lebendfutter für Audrey 11. zu werden. Diese erst zarte Pflanze wuchert sich zunehmend hungrig schaufensterfüllend durch den Laden. Mario Mariano gibt ihr die Stimme, Bertram Beier führt die Puppe, bei der man gerne wüsste, wo sie Ausstatter Kaspar Haessig hat schöpfen lassen.
Grüner Daumen nach oben
Musikalisch begleitet wird das temporeiche Spiel unter Leitung von Symeon Ioannidis von Andreas Hörnig, Christian Fischer und Michael Rossol mit einer unterhaltsamen Mixtur aus Rock 'n' Roll, Popballade und weichgespülten Melodien. Sie sitzen quasi in einem Nebenhaus von Mushiks Blumenladen, verfolgen das Geschehen und geben den Background-Girls den Notenteppich. In wandelnden Kostümen vornehmlich der 60er Jahre kommentieren zumeist im ausgewogenen stimmlichen Dreiklang und zunehmend geschäftstüchtiger Anna Stijohann (Crystal), Tamara Bauer (Chiffon) und Jenny Winkler (Ronette) das gruselige Geschehen. Für diese Freiluft-Inszenierung heißt es: Grünen Daumen nach oben.