
Nacheinander werden Garcin, Inés und Estelle in einen geschlossenen Raum geführt. Sie kennen sich nicht und wissen nichts mit der Situation anzufangen. Allmählich jedoch geben sie immer mehr von sich preis und erkennen, dass sie sich in der Hölle befinden. Sie machen sich auf das Schlimmste gefasst, erwarten Folterknechte und körperliche Qualen, denn jeder von ihnen hat menschliche Tragödien verursacht. Garcin tyrannisierte und betrog seine Frau. Estelle wurde zur Kindsmörderin und hat den Selbstmord ihres Geliebten zu verantworten. Die Postangestellte Inés trieb eine junge Frau in tödliche Verzweiflung. In der Hölle hat es nun keinen Sinn mehr, sich etwas vorzumachen. Sehr bald entdecken die drei, dass sie dazu bestimmt sind, sich gegenseitig zu quälen: „Die Hölle, das sind die anderen“.
Termine
|
| Fr, |
25.11.11, |
19.30 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
Premiereausverkauft |
|
|
| Fr, |
02.12.11, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
|
|
|
|
| Mi, |
14.12.11, |
19.30 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
|
|
|
| Do, |
22.12.11, |
19.30 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
|
|
|
| Sa, |
28.01.12, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
|
|
|
|
| Fr, |
10.02.12, |
19.30 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
|
|
|
| Sa, |
18.02.12, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
|
|
|
|
| Fr, |
24.02.12, |
19.30 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
|
Karten |
|
| Sa, |
03.03.12, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
|
|
Karten |
|
| Do, |
22.03.12, |
19.30 |
Uhr |
Kammerbühne Halberstadt
|
|
Karten |
|
| So, |
15.04.12, |
18.00 |
Uhr |
Neue Bühne Quedlinburg
|
|
Karten |
|
Besetzung
| Inszenierung | Sebastian Wirnitzer |
| Ausstattung | Sebastian Wirnitzer |
| Inés | Illi Oehlmann |
| Estelle | Susanne Rösch |
| Garcin | Arnold Hofheinz |
| Alte Dienerin | Sybill Güttner-Selka |
Pressestimmen
[...] Was die drei Schauspieler mit der messerscharfen Präzision eines hochkonzentrierten Kammerspiels dann im Folgenden sehr intensiv exekutieren: Susanne Rösch als ebenso charakterschwache wie hedonistische Kindsmörderin Estelle, die sich nur spürt, wenn sie benutzt wird. Arnold Hofheinz, der seinen Garcin mit einer beängstigenden Mittelmäßigkeit ausstattet, eine Art Mittelstandsspießer zeigt, der vergeblich den Draufgänger zu mimen versucht – einer wie Du und ich also. Und schließlich Illi Oehlmann, deren Darstellung der intellektuellen wie manipulatorischen Lesbe Inès man besonders gespannt folgt, weil diese differenzierte Schauspielerin souverän jedes Klischee umschifft und aus dem thesenhaften Sartre-Konstrukt wirklich eine Figur macht, der man vielleicht am ehesten zutrauen würde, einen Weg aus der Gefangenschaft zu finden. [...]
Esther Slevogt / nachtkritik.de (Zum vollständigen Artikel hier klicken.)
[...] Als Garcin (Arnold Hofheinz), Inés (Illi Oelmann) und Estelle (Susanne Rösch) ihre Lage bewusst wird, brechen sie in Gelächter aus. Ein Höhepunkt der Inszenierung (Regie und Ausstattung: Sebastian Wirnitzer) gleich zu Beginn. Vier Minuten lang Lachen, Gickern, Prusten, Husten. Man schaut sich an, man krümmt sich verzweifelt, die Körper schütteln sich wie im Krampf, von Neuem setzt nach dem Atemholen dieses verzweifelte Lachen ein: Garcin, Inés und Estelle sind Tote. Sie können der Hölle nicht entkommen.
[...] Regie und Ausstattung glätten die Figuren, statt ihre Sozialität und Geschichten kräftig zu betonen. Bei Wirnitzer - von 1999 bis 2001 selbst im Ensemble des Städtebundtheaters und 2010 Gastregisseur von "Harrys Christmas" - sehen alle drei Spieler gleich chic und stylished in grauen Nadelstreifen aus. Sie geraten als Figuren in die Beliebigkeit. Graue Mäuse. Nicht mehr zu unterscheiden als unterschiedliche Menschen. Die Hölle wird nur noch behauptet, nicht mehr erspielt, etwa mit nervendem High-Heels-Geklapper oder wenigstens einer Frisur in Unordnung oder unterschiedlichen Schauspieler-Charakteren. Die Sitzwürfel - anders als die Sofas und Récamieren all der vielen filmischen Sartre-Umsetzungen - lassen keine Paarbeziehungen zu. Sehr viel Langweile im Stehen. Keine unterstützende Schauspielmusik.
Nach einer Stunde und zehn Minuten ist der Zuschauer aus der "Geschlossenen Gesellschaft" entlassen. "Also - machen wir weiter!" Alles zurück auf Anfang, mit gnadenlosem Gelächter, Gickern, Prusten im gleißenden Licht. Es ist die Hölle.
Hans Walter / Volksstimme
Die Hölle währt für den Zuschauer reichlich 70 Minuten. Die Darstellerinnen Illi Oehlmann und Susanne Rösch sowie Arnold Hofheinz stehen sich weich gezeichnet im mäuschengrauen Nadelstreif gegenüber, reden und gehen sich auch mal etwas an die Wäsche, und wenn es nur der Kragen ist. Umbringen kann man sich nicht, man ist ja längst tot.
Sartres gedankenschwere Überlegungen wirken dabei zu oft butterweich, Redetheater eben. "Die Hölle, das sind die anderen", der viel zitierte Satz Sartres wurde in den vergangenen Jahrzehnten zum Bonmot. [...] Susanne Rösch spielt die Estelle mit vornehmer Ausstrahlung, doch das Bild der tollen Frau bekommt zunehmend Risse. Illi Oehlmanns Inès wirkt etwas intellektuell angelegt, sie verfügt über das Gefühl, wo ihre Mit-Höllianer dünnhäutig sind, und nutzt das aus. Während Arnold Hofheinz immer dazwischen pendelt und diffizil mitquält, in einem Zimmer, in dem das Licht ewig brennt und welches man nie verlassen kann
Ein teuflisches Dreieck entsteht, denn indem sich zwei annähern, leidet der Dritte Qualen. Und doch treibt es Wirnitzer nicht auf die Spitze, die Aggressionen, sexuellen Begehrlichkeiten und die gedankliche Schärfe erreichen nicht den Schmerzgrad, den das Licht hat, das ungefiltert in den Zuschauerraum blendet. So hat das Stück bereits zu Beginn seinen Höhepunkt, als minutenlang verzweifelt in allen Schattierungen gelacht wird. Länger als das Publikum zum Abschluss applaudiert, als wieder Höllengelächter erklingt.
Uwe Kraus / MZ