Franz Schubert: Sinfonie h-moll „Unvollendete“
Karl Amadeus Hartmann: Concerto funebre
Gija Kantscheli: Tagesgebete
Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 5 d-moll „Reformations-Sinfonie“
Dirigent: MD Johannes Rieger, Solisten: Nurit Stark, Violine; Rolf Stabroth, Klarinette
Pressestimme: Ballett soll künstlerisches Aushängeschild bleiben
THEATERPREISVERLEIHUNG 2009 Ballettmeister und Schauspiel-Inszenierung geehrt
VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ- Es ist eine gute Tradition, innerhalb eines Sinfoniekonzertes die Theaterpreise des Theaterfördervereins Halberstadt und des Musik- und Theatervereins Quedlinburg zu verleihen. Zum dritten Mal wurden die Preise ausgelobt und gingen an den seit 2003 am Nordharzer Städtebundtheater engagierten Ballettmeister und Choreografen Jaroslaw Jurasz sowie das Gegenwartsschauspiel „Sterne über Mansfeld“. Der Preis für die beste Inszenierung der letzten Spielzeit nahmen die beteiligten Schauspieler und die Ausstatterin Susanne Bachmann entgegen. Dramaturgin Sylvia Sarnow verlas eine Email des Regisseurs Hannes Hametner. Er freue sich über den Preis, aber vielmehr darüber, dass die „gemeinsame Arbeit Widerhall beim Publikum gefunden hat.“ Die Produktion stelle die Frage nach Identität und Heimat. Die Jury bescheinigte der Inszenierung einen frischen und poetischen Blick. In der Laudautio hieß es, um die Sterne zu sehen, brauchen man einfach nur den Kopf in den Nacken zu legen, auch in Mansfeld.
Der Vorsitzende des Musik- und Theatervereins Quedlinburg, Ernst-Ulrich Jürgens, hob hervor, dass das Stück Bilder zeigte, denen man sich nicht entziehen könne. Das Schauspiel mit dem „Teufel im adretten Zwirn“ sei gleich eine dreifache Premiere gewesen. Der junge Regisseur Hannes Hametner lieferte hier seine erste Inszenierung ab, die neue Ausstattungsleiterin ihr erstes Bühnenbild und nach längerer Abwesenheit stand Arnold Hofheinz wieder auf seiner vertrauten Bühne.
Jaroslaw Jurasz bescheinigte Jurymitglied Uwe Kraus, er wirke „charismatisch, wirbelt voller körperliche Geschmeidigkeit über die Bühne und verströmt Eleganz bei jedem Drehen und Heben.“ Im Nordharz und darüber hinaus, habe es sich herumgesprochen, welche Kunst den Choreografien des gebürtigen Polen anhaftet, der bis 1986 Schüler an der Staatlichen Ballettschule Bytom war, alle großen klassischen Rollen getanzt hat und selbst heute noch auf der Bühne zu erleben ist und sich dabei im Ausdruck mit weit jüngeren Solisten messen kann. „Jurasz ist ein Konservativer im positiven Sinne des Balletts. Kein Abschied vom romantisch-klassischen Handlungsballett, von der Virtuosität des Spitzentanzes und den nach allen Regeln der hohen Kunst ausgeführten Schrittfolgen. Ein Ja zur Schönheit des sterbenden Schwans und zum Triumph des Tänzers als Solist, aber auch der Mut, neue Wege zu beschreiten, um Zeitthemen tänzerisch-kritisch zu reflektieren.“
Immer wieder suche Jurasz den Faden, der Muskeln und Knochen mit der Seele des Tanzes verbinde. „Dafür fordert er sein Corps de ballet, allesamt großartige Solisten, bis zur Perfektion. Wie produktiv das Arbeitsklima unter diesem Ballettmeister ist, misst sich auch am Wachsen seiner Tänzerinnen und Tänzer.“
Klare Worte richtete der Laudator dann in Richtung Politik: „ Ich hoffe, der Geehrte bleibt mit seinem Ballettensemble weiter ein künstlerisches Aushängeschild des Hauses. Damit Ballett in der Region im Fokus der künstlerischen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit bleibt und es damit politischen Kulturverwaltern schwer macht, bei allen Sparmaßnahmen in den kommunalen Haushalten, die Ballettsparte wie vielerorts als erstes zur Disposition zu stellen.“
Das zweite Sinfoniekonzert der Saison bot einen gelungen Rahmen. Ein Höhepunkt war wohl die Aufführung des einzigen Violinkonzerts „Concerto funèbre“ von Karl Amadeus Hartmann. Der Wegbereiter Neuer Musik in Deutschland schrieb es 1939, vor genau 50 Jahren wurde es in der gespielten Fassung uraufgeführt. Stürmischen Applaus empfing die Geigerin Nurit Stark aus Israel für ihre Interpretation. Ihr Instrument wirkte klagend, fast resignierend, malte Dramatik und Schrecken der beschriebenen Zeit aus, um dann im Choral Hoffnung schimmern zu lassen.
Großes Lob ernteten auch Knabensopran Paul Keller aus Wernigerode und der heimische Klarinettist Rolf Stabroth, die Gija Kantschelis „Tagesgebete“ aus dem Zyklus „Leben ohne Weihnacht“ einfühlsam gestalteten.