Fr, 16.09.11, 19.30 Uhr Neue Bühne Quedlinburg Premiere Sa, 24.09.11, 19.30 Uhr Kammerbühne Halberstadt ausverkauft Sa, 01.10.11, 19.30 Uhr Neue Bühne Quedlinburg Sa, 08.10.11, 19.30 Uhr Kammerbühne Halberstadt Sa, 22.10.11, 19.30 Uhr Kammerbühne Halberstadt Restkarten Fr, 28.10.11, 19.30 Uhr Neue Bühne Quedlinburg Mo, 31.10.11, 15.00 Uhr Kammerbühne Halberstadt Fr, 18.11.11, 19.30 Uhr Neue Bühne Quedlinburg ausverkauft Do, 29.12.11, 19.30 Uhr Neue Bühne Quedlinburg ausverkauft Fr, 10.02.12, 19.30 Uhr Kammerbühne Halberstadt ausverkauft Do, 08.03.12, 19.30 Uhr Kammerbühne Halberstadt ausverkauft
Inszenierung und Choreographie Jaroslaw Jurasz Ausstattung Kordula Kirchmair-Stövesand Dr. Jekyll / Mr. Hyde Daniel James Butler Millicent Carew Tiana Lara Hogan Miss Gina Judith Speckmaier Sir George Carew Liang-Che Chien Dr. Richard Lanyon Jaume Bonnin Ballettensemble und Tanzstatisterie des Nordharzer Städtebundtheaters
Mit dem Kammerballett "Jekyll Hyde" nach Motiven von Robert Louis Stevenson gelang dem Choreografen Jaroslaw Jurasz und seiner kleinen Tänzertruppe erneut ein großer Wurf. Sieben Minuten Bravorufe und rhythmischer Applaus am Freitag in der Neuen Bühne Quedlinburg!
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Diese schillernden, aufregenden Charakterzüge in einem Menschen zu zeigen, bedarf es der Persönlichkeit eines außergewöhnlichen Solisten. Jurasz hat sie mit dem Ausnahmetänzer Daniel James Butler gefunden. Er vermag die Spaltung der menschlichen Seele in Gut und Böse zu zeigen. Die innere Zerrissenheit, die sich immer weiter steigernde Grausamkeit, aus der es am Schluss nur einen Ausweg gibt: den Tod als Rettung.
Butler ist fulminant in dieser Rolle, die ihn in den Mittelpunkt der auf wesentliche Episoden reduzierten Novellenhandlung stellt.
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Kordula Kirchmair-Stövesand schuf einprägsame, tanzbare Kostüme, von denen der Gesellschaftsanzug Jekylls/Hydes das herausragendste ist: Ein Wendejacket zeigt den Gesellschaftstiger Jekyll im schwarzen Anzug, der sich blitzschnell in das reißende Raubtier in flammendem Rot verwandeln kann.
Butler zeigt dazu zwei Körperlichkeiten. Den innigen Pas de deux mit Sprüngen, Drehungen, Hebungen und Spitzentanz mit Tiana Lara Hogan. Das ist das konventionelle bürgerliche Leben. Und den rasend schnellen, expressiven Wirbel um Judith Speckmaier, eine zu Beginn sado-masochistische Beziehung. Geheimes elektrisierendes nächtliches Leben voller Reiz und Sehnsüchte.
"Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht" - so ein von Friedrich Nitzsche abgewandelter Satz aus der Bibel. Doch rasch entgleitet es der verstandesmäßigen Kontrolle. Beide Tänzerinnen sind Butler hier im technischen Können und Ausdruck ebenbürtige Partnerinnen. Fast ebenso präsent wie sie ist das stark in wechselnden Rollen geforderte Corps de Ballett. Großartig!
Musikalisch sind die Welten klar geschieden. Mozart und Gluck für den bürgerlichen Jekyll. Beunruhigende, nervöse Klänge für die Hyde-Welten von Michael Rossoll, Stephan Peiffer, Mario C. Schmidt, David Osten, Elischa Kaminer und Jonathan Meyns; teilweise entstanden diese Musiken in den Kompositionswettbewerben des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt und den Halberstädter Orchesterwerkstätten. "Jekyll Hyde" - das ist Tanz in unterschiedlichsten Ausformungen, Literatur und neue Musik auf der Bühne. Ein großes Erlebnis für alle Sinne!(Hans Walter/Volksstimme)
Publikum dankte Jaroslaw Jurasz bei Premiere mit stürmischem Applaus.
Die neue Spielzeit am Nordharzer Städtebundtheater startete dank des Choreografen Jaroslaw Jurasz und seiner glänzenden Ausstatterin Kordula Kirchmair-Stövesand mit einem Premieren-Paukenschlag, auch wenn am Freitag einige Plätze in der Quedlinburger Neuen Bühne leer blieben. [...] Das in der Weltliteratur immer wiederkehrende Doppelgängermotiv wird von der Ausstatterin durch einen einfachen Kunstgriff symbolisiert: Je nach dem, welche Seite der gespaltenen Persönlichkeit die Oberhand gewinnt, wird seine Anzugjacke gewendet: Seriöses Schwarz wechselt blitzartig in feuriges Rot. Daniel James Butler, dem auch die choreografische Assistenz der Inszenierung obliegt, setzt die beiden Seiten der Persönlichkeit tänzerisch deutlich ab. Wenn er seine krampfenden Hände nicht mehr still halten kann und mit ihnen mordet, zeigt er expressive Schritte, wird rasend, wirbelt hektisch über die Bühne, explodiert wie von Sinnen in der Begegnung mit der Hure Miss Gina. Judith Speckmaier tanzt sie, alle ihre Reize ausspielend, in technischer Ausgefeiltheit. Und doch tötet Hyde sie, die seinen Liebesspielchen folgt, wie im Wahne. Nicht anders ergeht es seiner Verlobten Millicent Carew. Welch Innigkeit verströmt das Beieinandersein der Beiden: Fast sieben Minuten zarte Gefühle, Spitzentanz, hingebungsvolles Miteinander im Pas de deux von Butler und einer bestens präparierten Tiana Lara Hogan, die mit der Rolle ideal besetzt ist. Innerlich zerfetzt gibt Daniel James Butler seiner Figur immer mehr Aggressivität und Grauen. Die Auswahl der vertanzten Musik beweist noch einmal, wie weit Juracz das Gespaltensein treibt. "Iphigenie in Aulis" von Willibald Gluck und Mozarts c-moll-Klavierkonzert kontrastieren in ihrer Klangschönheit und fast salonären Verspieltheit der Welt eines Jekyll mit dem irren Universum Hydes. Das bestimmen Ausschnitte aus Werken, die am Nordharzer Städtebundtheater größtenteils ihre Orchester-Uraufführung hatten. Waren sie doch Teil des Programms vom Abschlusskonzert der 20. Werkstatt junger Komponisten 2009 in Halberstadt. Unruhige, heftig pulsierend verstörende Rhythmen von David Osten, Elischa Kaminer und Jonathan Meyns untermalen jene Tanzfrequenzen, in denen sich die dunkle Seite des Doppel-Ichs entfaltet. Doch was wären die tollen Solo-Leistungen von Butler zwischen Speckmaier und Hogan ohne ein fulminantes Corps de Ballett nebst Tanzstatisterie. Sie tanzen durch die Docklands von London oder sind Insassen der Psychiatrischen Klinik von Dr. Lanyon (Jaume Bonnin). Immer wieder bestechen sie durch intensive Hinwendung zum Tanz in der fast 90-minütigen Aufführung, die sich wunderbar in die Reihe vertanzter Literatur am Nordharzer Städtebundtheater einfügt. (Uwe Kraus/MZ)