Die Kameliendame
Ballett von Jaroslaw Jurasz nach Alexandre Dumas
Die Kurtisane, der man keine anderen Blumen schenken darf als Kamelien, verliebt sich in einen ihrer Verehrer. Dessen Vater ist gegen eine Heirat und bedrängt die Kameliendame, von ihrer Liebe zu Gunsten der Karriere seines Sohnes abzulassen. Sie geht darauf ein, wendet sich von ihrem Geliebten ab und verletzt ihn, der von den Intrigen seines Vaters nichts weiß, somit aufs Tiefste. Erst am Bett der Todkranken erfährt er die Wahrheit und die überaus große Liebe seiner Braut. Der von Giuseppe Verdi als „La Traviata“ vertonte, durch Sarah Bernhardt legendär auf der Bühne gespielte und mit Greta Garbo verfilmte Roman von Alexandre Dumas führt in die halbseidene Pariser Unterwelt, in der das Geld und die Macht anscheinend allmächtig sind, die Liebe aber dennoch siegt. In der Choreografie von Jaroslaw Jurasz wird er zum leidenschaftlichen Ballettabend.
Termine
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| So, |
02.05.10, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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| Fr, |
07.05.10, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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| So, |
16.05.10, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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Besetzung
Fotos










Pressestimme: Große Gefühle und fast zu schöne Bilder
Minutenlange, stehende Ovationen des Publikums im bis auf den letzten Platz ausverkauften Nordharzer Städtebundtheater in Quedlinburg galten Sonnabend der sehenswerten Ballettpremiere der "Kameliendame". Wesentlichen Anteil an dem Erfolg hatten die musikalischen Chopin-Adaptionen und die speziell für dieses Ballett von Irineos Triandafillou komponierte Musik.
Von Rolf-Dietmar Schmidt
Quedlinburg. "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas besitzt ein Geheimnis. 1848 geschrieben, avancierte der Roman schnell zu den erfolgreichsten unter 27 weiteren. Immer wieder und zu allen Zeiten hat er Künstler inspiriert. Bei Verdi wurde der Stoff zur, Oper "La Traviata". Verfilmungen, unter anderem mit Greta Garbo, folgten, und schließlich gab es 1978 die legendäre John-Neumeier-Uraufführung als Ballett in Hamburg.
Die Geschichte ist denkbar einfach. Es geht um eine Dame der Halbwelt, eine Kurtisane, die geliebt, wird und sich schließlich auch verliebt, aus Standesgründen ihr Gefühl verleugnet, um nach Krankheit im Tode mit dem Geliebten wieder vereint zu sein. Da ist alles drin: Große Liebe, Gefühl, Leid, Hass, Schmerz, Tod. Es darauf zu reduzieren, wird aber der literarischen Vorlage nicht vollständig gerecht. Dumas rechnet auch mit Doppelmoral, mit einer Scheinwelt falscher Gefühle und erstickender Spießigkeit ab.
Die Herausarbeitung dieses künstlerischen Ansatzes fehlt bei der Quedlinburger "Kameliendame". Choreografie und Inszenierung halten sich Seite für Seite an der Oberfläche der literarischen Vorlage, setzen sie in schöne, beinahe zu schöne Bilder um. Leid und Krankheit, käufliches Glück und selbst ein Duelltod sind schön anzusehen. Es ist Ballett, wie es sich wohl die Mehrzahl der Zuschauer wünscht.
Jaroslaw Jurasz zeichnet für die Inszenierung und die Choreografie verantwortlich. Er gibt gleichzeitig den Baron Varville. Auf Einbeziehung der Musik Chopins hat der Ballettmeister mit polnischen Wurzeln in Quedlinburg zurückgegriffen, sie aber mit den speziellen Kompositionen des Griechen Triandafillou komplettiert. Jurasz und Triandafillou haben bereits im Vorjahr in Halberstadt uraufgeführten Ballett Alexis Sorbas zusammengearbeitet. Die „Kameliendame“ ist also eine Fortsetzung dieser erfolgreichen Zweisamkeit.
Die Musik bildet bei der „Kameliendame“ einen sehr eigenständigen Teil. Teils als Einspielung von Klavier-, Kammer- und Orchestermusik von der CD, teils als meisterhafte Klavierinterpretation von Sebastian Roth. Er führt in die Geschichte ein, indem er auf dem Klavier unter dem Bild seiner früheren Geliebten, der „Kameliendame“, in die Erinnerungen auftaucht. Ihr Name ist Marguerite Gautier und wird von Primaballerina Katia Alves de Alencar zusammen mit ihrem Partner Daniel James Butler als Armand Duval getanzt. Beide brillieren mit hervorragendem tänzerischem „Handwerk“ und hoher emotionaler Ausdrucksfähigkeit.
Die Compagnie des Nordharzer Städtebundtheaters ist überhaupt durch hohe Professionalität und Synchronität gekennzeichnet. In Zeiten, da immer wieder über die Anzahl von Sparten in kleineren Theatern nachgedacht wird, ist diese Qualität der wohl beste Grund für Unverzichtbarkeit. Mit der „Kameliendame“ haben die Theaterleute aus dem Harz einen Aufmerksamkeitspflock eingeschlagen. Dazu trugen die beeindruckenden Ausstattung von Kordula Kirchmair-Stövesand und die feinfühlige Dramaturgie von Aud Merkel bei. Das Wichtigste jedoch war, dass die Besucher durchweg von diesem Ballett begeistert waren, was vermutlich bei folgenden Vorstellungen ein volles Haus beschwert. Das kann zwar nicht alleiniger, aber ein wichtiger Anspruch sein.
Pressestimme: Ganz im Zeichen der Kamelie
Ballettpremiere: Publikum feierte erneut die Compagnie von Jaroslaw Jurasz
VON UWE KRAUS
QUEDLINBURG/MZ. Jaroslaw Jurasz zaubert mit seiner kleinen wie leistungsstarken Compagnie wieder ganz großes Ballett auf die Bühnen des Nordharzer Städtebundtheaters. Zu recht feierte das Quedlinburger Premierenpublikum ihn, seine Tänzer, seine Lieblingsausstatterin Kordula Kirchmair-Stövesand und den Pianisten Sebastian Roth euphorisch.
Jaroslaw Jurasz nahm sich des Romans "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas d. J. an und choreographierte ein abendfüllendes Handlungsballett voller Erotik, Liebe, Eifersucht und Tragik. Keine vertanzte "La Traviata", keine aufgefrischte Adaption der John-Neumeier-Inszenierung aus den 80erJahren und keine Verdi-Musik, sondern eine Uraufführung mit Live- und Konserven-Musik aus der Feder seines polnischen Landsmannes Frederic Chopin, verbunden mit der "Frederic I-Suite" von Irineos Triandafillou, mit dem Jaroslaw Jurasz 2009 die Uraufführung von "Alexis Zorbas" auf die hiesigen Bühnen brachte.
Hier erschließt der Ballettmeister ganz neue musikalische Möglichkeiten der Inszenierung. Von der CD klingt die großartige Annerose Schmidt. Der zwischen Weimar, New York, Brasilien und Sofia musizierende Pianist Sebastian Roth spielt grandios große Chopin-Werke wie den Trauermarsch b-moll, die Revolutionsetüde oder die Mazurka a-moll. Er illustriert damit nicht nur die Bühnenhandlung. Mindestens so beeindruckend ist, wie sich der aus einer ostdeutschen Theaterfamilie Stammende in diese Inszenierung darstellerisch wie aus einem Guss einfühlt.
Der Flügel von Sebastian Roth steht unter dem Bildnis der Kameliendame, das sich auf dem dunklen Holz spiegelt. Roth durchschreitet die Bühne, entfernt die Hussen vom Chaiselongue, von den Stühlen und seinem Instrument, der Vorhang ist zugegangen. Wie Reminiszenzen wirken die folgenden Szenen. Sie führen in die halbseidene Pariser Unterwelt, auf rauschende Feste, in intime Zweisamkeit, ins Casino und ans Totenbett der Kurtisane.
Die Choreographie von Jaroslaw Jurasz lässt Erinnerungen an ein Ballett aufkommen, das er fast auf den Tag genau vor fünf Jahren zu einer umjubelten Premiere führte: "Gefährliche Liebschaften". Da erlebt man wieder diesen Hauch der romantischen Musik, diesen leidenschaftlichen Tanz in der Ästhetik des klassischen Balletts, kombiniert mit neoklassischen Elementen. Er versteht es bestens, auf der Klaviatur der Elemente zu spielen, fügt Soli zu athletisch anmutenden Sprüngen, kraftvolle Hebefiguren zu anrührenden Pas-de-deux-Passagen.
Und wie damals der Pas de deux von Wendy Beeckmans mit Bikash Chatterjee sind es heute Katia Alves de Alencar und Daniel James Butler, die voller Liebe und Tragik über die Bühne schweben.
"Das Drama ist nicht der Tod, sondern die Trennung der Liebenden", findet Jaroslaw Jurasz und richtet den Fokus seiner Choreographie genau auf diese beiden Personen Marguerite Gautier und Armand Duval. Doch er gibt allen Tänzern genug Raum für explodierende Emotionen, für Ausschweifung, Hinwendung, Dekadenz, für Augen-Blicke und zärtliche körperliche Hinwendung.
Immer wieder taucht das Bild der Schaukel auf, um das galante Schweben der Liebe zu untermalen. Letztlich stirbt Marguerite hier im Blütenregen in den Armen desjenigen, den sie wahrhaftig geliebt hat. Es ist das letzte der mit kraftvollem Schwarz-Rot und sanften Pastelltönen im Zeichen der Kamelie gemalten Bilder des Balletts, das diese Palette auch tänzerisch ausgezeichnet erlebbar macht. Katia Alves de Alencar wirkt erneut tänzerisch voller Spannkraft und großer Emotionen, die sie selbst mit kleinen Gesten zeigt.
Ihr zur Seite ein ausdrucksstarker Daniel James Butler, der in der tiefen Demütigung und beim Duell mit Baron Varville wohl die stärksten Momente hat. Beeindruckend, wie Choreograph Jurasz in der Rolle des reichen Gönners agiert.
Ein bestens getanztes Porträt des Vaters von Armand, Monsieur Duval, zeichnet Timo-Felix Bartels; zunehmend schwankend zwischen gesellschaftlichen Konventionen und privatem Glück für seinen Sohn.
Doch die Inszenierung lebt von einem weiteren Trumpf: Jurasz gelang es wieder, sein gesamtes Ensemble bis in kleine Rollen tänzerisch bestens in Szene zu setzen und engagierte Nachwuchstänzer in dieses zu integrieren. Das gilt für Kimiko Koo (Prudence) und Jaume Bonnin als Arzt besonders, aber ebenso für Anja Herm, den dienstbaren Geist Ute Karamidov, für Tiana Lara Hogan und Julian Avril.
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