
Die mittelalterliche Handlung nach dem Versepos „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach wird durch die musikdramatische Bearbeitung von Richard Wagner zur groß angelegten Historienoper und zum romantischen Liebesdrama.
Aus dem realen Umfeld des deutschen Königs Heinrich der Vogler heraus entwickelt sich ein Spiel germanischer Göttersagen der Gralsgeschichte. Der Gralsritter Lohengrin, Sohn des Königs Parzival, kann sich seiner Geliebten Elsa von Brabant nicht offenbaren, da er mit einem Schweigegebot belegt ist. Inmitten verheerender Kriegswirren ist die Liebe zwar stärker als der Tod, das private Unheil der Liebenden jedoch nicht aufzuhalten.
Mit freundlicher Unterstützung von
Termine
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| Sa, |
29.10.11, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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Premiere |
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| Mo, |
31.10.11, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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| So, |
13.11.11, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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| So, |
20.11.11, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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ausverkauft |
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| So, |
25.12.11, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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| Sa, |
21.01.12, |
18.00 |
Uhr |
Lutherstadt Eisleben
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| Sa, |
04.02.12, |
18.00 |
Uhr |
Heilbad Heiligenstadt
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| Sa, |
11.02.12, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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| Sa, |
18.02.12, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
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| Sa, |
03.03.12, |
18.00 |
Uhr |
Bernburg
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| So, |
11.03.12, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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| So, |
08.04.12, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
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Besetzung
| Musikalische Leitung | MD Johannes Rieger |
| Inszenierung | Kay Metzger |
| Ausstattung | Petra Mollérus |
| Lohengrin | Wolfgang Schwaninger / Ünüsan Kuloglu |
| Elsa | Katharina Warken |
| Ortrud | Gerlind Schröder |
| Friedrich Telramund | Juha Koskela |
| König | Klaus-Uwe Rein |
| Heerrufer des Königs | Gijs Nijkamp |
| Vier Edelknaben | N.N. |
| | Orchester, Opernchor, Coruso Chor e.V., Verstärkungschor und Kinderstatisterie des Nordharzer Städtebundtheaters |
Pressestimmen
Wagner kommt per Schattenschwan
Das Städtebundtheater zeigt „Lohengrin“ als Fabel auf das 19. Jahrhundert – Brillantes Orchester
[...] Eindrucksvoll lässt Johannes Rieger das Nordharzer Orchester in Wagners fantastischen Farben glühen. Der Klang ist prächtig, durchhörbar, sehr prägnant. Die Streicher spielen seidig, die Bläser präzise, das hört man andernorts selten klarer. Das erste Vorspiel gerät noch reichlich schnell, doch später stimmt die Dramaturgie, und das dritte Vorspiel entwickelt wohlige Pracht. Kraftvoll auch die Chöre.
Dazu kommt mit Wolfgang Schwaninger als Lohengrin ein Tenor mit füllig-strahlenden Spitzen und Schmelz. Katharina Warken singt Elsa mit klug differenzierendem Sopran. Aus dem Hausensemble ragt der klangvoll charakterisierende Bass von Klaus-Uwe Rein als König hervor. Juha Koskela singt kraftvoll den Telramund, Gerlind Schröder mit lyrischem Mezzo eine verführerische Ortrud, die in den dramatischen Spitzen an ihre Grenzen stößt. Insgesamt muss man staunen über diese nieveauvolle Aufführung an wenig privilegiertem Ort.
Tatsächlich droht dem Musiktheater nach 200 Jahren das Aus, da die Städte Halberstadt und Quedlinburg ihre Zuschüsse zum Städtebundtheater halbieren wollen. Am Haus ist nichts mehr einzusparen, die Musiker verzichten bereits jahrelang auf 20 Prozent Gehalt. Nur Kreis und Land könnten diesen wichtigen Ankerpunkt für gemeinschaftstiftende Ideen noch retten. Lohengrin hilf!
Andreas Berger / Braunschweiger Zeitung
Ovationen für überzeugenden "Lohengrin"
[...] Mit überraschender Fülle, klangschön und mit Sinn für Steigerungen, Spannungsbögen, Höhepunkte und zarte Intimität wurde von Anfang bis Ende musiziert. Besonders schön das Blech mit seinen Raumwirkungen und blitzsauberen Fanfaren. Nicht minder überraschend die Kompetenz des vielbeschäftigten Chores. Mit den zur Verfügung stehenden Lotto-Mitteln den Coruso Chor e.V. und einige Orchestermusiker als Verstärkung zu engagieren, erwies sich als die richtige Entscheidung.
In der Titelpartie als einziger Gast Wolfgang Schwaninger, ein Sänger an der Grenze zwischen lyrischem und Heldentenor, dem das kleine Haus für ein Lohengrin-Rollendebüt sehr entgegenkam. Auch andere Wagner-Partien, Loge, Siegmund, Erik, Tristan, sang er bereits an kleineren Theatern. Es gab einfach nichts an ihm auszusetzen: die Stimme hat einen balsamischen Klang, er kann biegsame Linien singen und für die sparsam eingesetzten großen Töne steht ihm echter Helden-Glanz bis zum Schluss zu Gebote. Die beiden Klasse-Frauen Katharina Warken und Gerlind Schröder, Elsa und Ortrud, gehören zum Ensemble.
Elsa kam genügend lyrisch, aber nicht gar zu ätherisch daher, mit feinem Piano in der Höhe; Ortrud mit gehörig durchschlagskräftiger dunkler Dramatik. Um die Zukunft des jungen Juha Koskela, ein temperamentvoller Telramund, sollte einem auch nicht bange sein.
Wenn es nach künstlerischer Leistung und Erfolg beim Publikum ginge, müsste man nach den hochverdienten "Lohengrin"-Ovationen auch für das Theater nicht fürchten.
Irene Constantin / Volksstimme
Nordharzer Städtetheater Halberstadt: Flucht nach vorn: „Lohengrin“
In Halberstadt, der idyllischen Kleinstadt am Fuße des Harzes, wird seit 200 Jahren Theater gespielt, seit zwanzig Jahren unter der fusionierten Organisationsform des „Nordharzer Städtebundtheaters“, das – neben weiteren Gastspielbühnen – die Städte Halberstadt und Quedlinburg u. a. auch mit Oper bespielt. Ein „doppeltes“ Jubiläum ist also zu feiern in dieser Spielzeit, über der allerdings auch der Schatten der Unterfinanzierung, das Gespenst der „Einsparung“ liegt, ein geradezu groteskes Szenarium: was soll man bei 15 Solisten, 17 Chorsängern und 39 Orchestermusikern „einsparen“, die zwei Städte und die umliegende Region mit Oper, Operette, Musical und Konzert „versorgen“. Dieses Theater hat ein dankbares Publikum, es ist auch von der historischen Entwicklung her kein altes Hoftheater, sondern seit nunmehr 200 Jahren ein „Bürger“-Theater gewesen, eines, das von den Bürgern gewollt und oft genug auch „finanziert“ wurde. Auch deshalb ist die Entscheidung, der eben wieder aufflammenden Diskussion über Schließung oder Verknappung nicht mit Klageliedern zu begegnen, sondern vielmehr etwas zu wagen, was die Grenzen und auch die Möglichkeiten des Hauses und des Ensembles sprengt, grundsätzlich richtig. Halberstadt wagt den „Lohengrin“ – der zuletzt im Jahre 1926 dort gespielt wurde – und geht somit über seine eigentlichen Grenzen hinaus, aber diese Entscheidung ist angesichts der aktuellen Lage nicht nur notwendig, sondern – wie der begeisternde Beifall des ausverkauften Hauses bewies – auch richtig.
[...]
Intendant und Musikdirektor Johannes Rieger war sich der gewaltigen Kraftanstrengung, die gerade mit diesem Werk für ein so kleines Theater verbunden ist, bewusst, sorgte nicht nur für einen Gast in der Titelpartie, sondern eben auch für dringend notwendige Chor- und Orchester-Verstärkung. Dem Haus- und Verstärkungs-Chor des Theaters kamen der Coruso Chor e. V. zu Hilfe und man darf sagen, dass in Vereinigung aller drei Gruppen ein wirklicher Klang entstand, was der sicheren Einstudierung von Jan Rozehnal zu danken ist. Einige Kürzungen erleichterten die Aufgabe, die als Ganzes aber durchaus achtbar bewältigt wurde. Nicht ganz so homogen fiel die Integration mit den Orchester-Aushilfen aus, hier war die Unterbesetzung der Streicher durchaus zu spüren und die Bläser hatten mit Intonation und Ansatz Probleme zu bewältigen. Rieger kompensierte dies durch zügige Tempi (insbesondere im Vorspiel zum 1. Akt!), was allerdings die großen Bögen zerstörte; im übrigen war das Stück sicher studiert, Rieger hatte alles fest im Griff, ein sicherer Sachwalter am Pult.
Als Lohengrin überzeugte Wolfgang Schwaninger mit Metall und Glanz, ein Ritter ohne Fehl und Tadel, dem die Regie freilich viel Ritterliches genommen und ein Heft mit Schreibfeder in die Hand gegeben hatte, das ihn spürbar behinderte. Neben ihm konnten stimmlich die Elsa von Katharina Warken und der König Heinrich von Klaus-Uwe Rein durchaus bestehen, beiden hätte man etwas mehr Körperspannung gewünscht. Problematischer war die Besetzung des eigentlich „dunklen“ Paares Ortrud-Telramund, die hier in hellen Kostümen der Gründerzeit leichtfüßig daher kamen und zu vordergründig als Außenseiter charakterisiert wurden. Dabei hatte Juha Koskela einen sicheren, im Ganzen aber zu leichtgewichtigen Bariton einzusetzen, während Gerlind Schröder als Ortrud nicht nur die Dämonie vermissen ließ, sondern ganz offensichtlich an die Grenzen ihrer stimmlichen Möglichkeiten stieß. Heerrufer und Edle agierten musikalisch zuverlässig, ohne als Stimmen oder Persönlichkeiten besonders in den Vordergrund zu treten.
Grundsätzlich war der Entscheidung des Regie-Teams (Regie: Kay Metzger, Ausstattung: Petra Mollérus) große Außenräume (Schelde-Landschaft, Burghof) auf der kleinen Bühne zu meiden, beizupflichten. Stattdessen befinden wir uns in einem kleinen Theater, auf dessen Bühne „wunderbare“ Dinge passieren: ein Schwan schwimmt und plötzlich ist Lohengrin da – was die Zuschauer spürbar verzückte! – die übrigen Akteure sitzen im Vordergrund (im „Zuschauerraum“ dieses Theaters) und schauen zu, später schließt sich für lange Strecken der „Theater-Vorhang“; mich hat das eben so wenig überzeugen können wie seinerzeit in Coburg (1995/96), wo Metzger diese Version schon einmal angeboten hatte. „Lohengrin“ als Spiel im Spiel funktioniert nicht, weil zu viele Situationen ganz direkt und unmittelbar stattfinden. Dabei werden die Akteure dann in ihrem „Zuschauerraum“ durch das Mobiliar behindert. Das „Gottesgericht“ - simpel: Lohengrin, waffenlos, besiegt den Kontrahenten mit Hilfe seines Büchleins mit Feder, das er den ganzen Abend bei sich trägt und aus dem er dann auch (als Gutscheine?) die Gaben für Gottfried herausnimmt: ein Blatt fürs Schwert, eines für das Horn und eines für den Ring; die Brautgemachs-Szene auf den (Zuschauer)-Stühlen, die abendfüllend (das Stück ist in dieser Fassung ein „Durchsteher“!) die kleine Bühne noch weiter verkleinern – ich gestehe, dass ich das nicht begreife. Auch nicht die merkwürdigen Kostüm-Varianten des Königs Heinrich (einmal in Uniform, dann mit Königsmantel und Krone, andermal wieder nicht?) Elsa und Lohengrin im gedeckten Blau, das andere Paar operettig Weiß? Der Heerrufer als Oberpriester mit Altar und Trauungszeremonie, die eigentlich bei Wagner überhaupt nicht thematisiert wird und am Ende der Oper der Weltenbrand – was soll das? Für den kleinen Gottfried liegt von Anfang an ein Steckenpferd bereit, auf dem er dann prompt „abreitet“ und den Schluss des Werkes banalisiert.
Die Halberstädter fanden es schön; gut – es war nicht „modernisiert“ und „politisiert“ – einverstanden. Aber neue Einsichten brachte es auch nicht. Alle waren immer dicht beieinand’ – das brachte die kleine Bühne so mit sich. Die Regie behinderte die Musik nicht, das sei positiv vermerkt, wenn sie etwas mehr Wert auf Personenregie im Sinne von Körperspannung und Partnerbeziehung gelegt hätte, wäre es dem Ganzen zugute gekommen.
Fazit: für Halberstadt war es ein großer Abend und den möchte ich auch nicht kaputt schreiben. Das Ensemble hat sich über seine Leistungsgrenzen gewagt und viel dabei gewonnen; das Theater muß erhalten bleiben, denn das Publikum war mit ihm nicht nur zufrieden, sondern es bewies durch seine minutenlangen standing ovations am Ende, dass es dieses Theater trägt und braucht. Und das sollte so bleiben.
Werner P. Seiferth / Der neue Merker
Historiendrama
Da feiert ein traditionsreiches Theater seine 200. Spielzeit - und die „Theaterträger“ (die Städte Halberstadt und Quedlinburg, der Kreis Harz und das Land Sachsen-Anhalt) werkeln an seiner Abwicklung.
Mit einem mutig und kompetent gestemmten Lohengrin beweist das politisch gepiesackte Haus seine unübersehbare Kraft. Der ehemalige Intendant Kay Metzger, jetzt Detmold, inszeniert ein Historiendrama, versucht die Wagnerschen Aversionen gegen die politischen Realitäten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu zeigen – mit ihren restaurativen Tendenzen, mit dem schier unausrottbaren feudalen Zwängen, mit den scheiternden Freiheitsbewegungen. Aber es wollen sich die Parallelitäten der Zeit Heinrichs, der im übrigen in Quedlinburg begraben ist, mit der restaurativen Periode und ihren ultramontanen Tendenzen nicht recht vermitteln, es entwickelt sich keine überzeugende „Geschichte“ – zumal im Programmheft diverse andere Lesarten (Künstlerdrama, Liebe und Mythos, das Tragische, Religion als Gefühl) externer Autoren angeboten werden.
[...]
Johannes Rieger – Musik-Direktor und Intendant – entfacht mit dem bravourösen Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters im Graben einen Wagnerklang, der mit perfekten Piano-Passagen und kontrollierten Crescendi die innere Dramatik des Geschehens nachgerade atemraubend vermittelt.
Wolfgang Schwaninger beweist seine beachtenswerte stimmliche Flexibilität als ausdrucksstarker Heldentenor, gewinnt vor allem mit der Grals-Erzählung beeindruckende Statur. Er ist der einzige Gast im Halberstädter Ensemble. Mit Gerlind Schröder ist ein äußerst variabler Mezzo als Ortrud zu hören. Katharina Warken gibt mit ihrem hellen Sopran der Elsa emotionalisierend-nuancierenden Klang. Juha Koskelas Telramund überzeugt als kraftvoll-variabler Bariton. Der Heerrufer findet in dem selbstsicher intonierenden Gijs Nijkamp die angemessene stimmliche Verkörperung. Klaus-Uwe Rein geht als König Heinrich bis an die Grenzen seines sonor-timbrierten Basses.
Und der Chor, verstärkt durch den Coruso-Chor, brilliert unter der Leitung von Jan Rozenahl mit staunenswertem kollektiven Gesang, beeindruckt vor allem in den so diffizil-effektvollen Übergängen vom Männerchor zu den Frauenstimmen.
Das heterogene Publikum – Junge und Alte, Alt-Abonnenten und newcomer, Einheimische und auswärtige Wagner-Enthusiasten – rätselt in den Pausen über die „Bedeutung“ des Gesehenen, feiert am Schluss alle Protagonisten mit Jubel, Trampeln, rhythmischem Klatschen und standing ovations.
Warum bei einer solchen Zustimmung versteckt ausgelegte Unterschriftenlisten gegen den beabsichtigten „Theatertod“ nicht offensiver präsentiert werden: das liegt wohl an der unprofessionellen Ahnungslosigkeit der Halberstädter „Kommunikations-Abteilung“.
Franz R. Stuke / Opernnetz