Loriots dramatische Werke

Sketche von Vicco von Bülow

In Loriots Eheszenen wird das Emanzipierungsbestreben zwischen den Geschlechtern auf irrwitzige Weise entlarvt. Mit einer scharfsinnigen Analyse erzählen Loriots dramatische Werke von zivilisatorischen Verkorkstheiten, zu erleben in den bekannten Sketchen wie „Konzertbesuch“, „Inhaltsangabe“ oder „Parkgebühren“, in denen es Vertreter der Gattung Mensch mit der Korrektheit auf die Spitze treiben. Ein Lieblingsmotiv des Meisterhumoristen ist es, den vermeintlichen Bildungsanspruch des Fernsehens ad absurdum zu führen. In der Szenerie eines Fernsehstudios zieht es sich als roter Faden durch die Sketchauswahl des Regisseurs Robert Klatt wie ein Feuerwerk komödiantischer Schauspielkunst. So wird man mittels Lachsalven wieder auf den Teppich zurück geholt. Das tut jedem gut!

Termine

Sa, 08.05.10, 19.30  Uhr    Wernigerode
So, 19.09.10, 15.00  Uhr    Neue Bühne Quedlinburg Wiederaufnahme Karten
Sa, 02.10.10, 19.30  Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
Do, 14.10.10, 19.30  Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
Sa, 30.10.10, 19.30  Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten
So, 07.11.10, 15.00  Uhr    Neue Bühne Quedlinburg Karten
Fr, 26.11.10, 19.30  Uhr    Kammerbühne Halberstadt Karten

Besetzung

Inszenierung  Robert Klatt a.G.
Ausstattung  Susanne Bachmann
Mitwirkender  Jens Tramsen a.G.
Mitwirkender  Arnold Hofheinz
Mitwirkende  Illi Oehlmann

Fotos

Pressestimme: Vom Alltäglichen zur Groteske

Mitteldeutsche Zeitung, 21.4.2009
von Uwe Kraus

Städtebundtheater verneigt sich mit «Loriots Dramatische Werke» vor Großmeister des Humors
QUEDLINBURG/MZ. Dem Nordharzer Städtebundtheater ist zu einer besonderen Leistung zu gratulieren: Schon vor der Premiere waren alle Vorstellungen des Stücks "Loriots Dramatische Werke" bis Ende Juni ausverkauft. Wer sein Loriot-Fernsehbild mit dem auf der Bühne vergleichen will, der kann ab 26. Juni wieder hoffen. Dann gibt es noch Karten für die Auftritte im Wipertihof, in der Halberstädter Liebfrauenkirche und auf der Westerburg.
Das Premierenpublikum in der Neuen Bühne Quedlinburg erlebte, wie sich in dieser Spielzeit oft gelobte Darsteller in die Klamotten der 70er Jahre zwängen, um in den muffigen TV-Kulissen (Ausstattung: Susanne Bachmann) und der Diktion der damaligen Zeit Stücke aus dem Alltag, Liebesdramen, gesellschaftliche sowie politische Tragödien und Komödien zu spielen. Ihr Autor Vicco von Bülow alias Loriot gehört zu den humoristischen Grand Seigneurs, und Regisseur Robert Klatt hält sich ehrfurchtsvoll an die Vorlage. Er inszeniert fast buchstabengenau jene Klassiker, die man in der Besetzung mit Loriot und Evelyn Hamann aus dem Fernsehen kennt. Ausstatterin Susanne Bachmann setzt die Figuren auch zwangsläufig in eine Fernsehkulisse, weil eben Loriot geniales Fernsehen war, wenn er nicht hervorragend karikierte oder schrieb.
So fädelte sich ein Stück ans andere, ganz im Sinne seines Schöpfers: "Infolge mannigfaltiger Belastungen durch Beruf, Familie und Freizeit ist der moderne Mensch kaum noch imstande, sich auf ein mehrstündiges Bühnenwerk zu konzentrieren. Aus diesem Grunde überschreitet keines meiner Dramen eine Länge von fünf Minuten. Damit sind sie dem biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen angepasst."
Was spielen?, mögen sich der Regisseur und seine Dramaturgin Sylvia Sarnow gefragt haben. Was spielen! Gute Mimen haben sie am Haus. Da es für die Kammerbühne aber nur ihrer drei sind, schlüpfen Illi Oehlmann, Arnold Hofheinz und Jens Tramsen in bis zu acht Rollen. Jeder Zuschauer mag eigene Favoriten haben, das Jodeldiplom und den Kosakenzipfel, die Nudel und das Frühstücks-Ei, den "Lottogewinner" Erwin Lindemann und Herrn Müller-Lüdenscheidt. Das Inszenierungsteam grub andere aus dem Fundus der rund 50 Sketche heraus: "Die weiße Maus" fand den Weg auf die Bühne, der körperbetonte Einsatz von Oehlmann und Hofheinz beim "Konzertbesuch" ebenso wie der Versuch von Direktor Meltzer, seine Sekretärin im Büro flach zu legen. Dass Loriots Humor politisch und aktuell sein kann, zeigen die Mär von der Steuerermäßigung, die Tipps für Kleinsparer und "Autofrei".
Das Trio Oehlmann, Hofheinz und Tramsen schlug sich - immer Vicco von Bülow und Evelyn Hamann vor dem geistigen Auge - tapfer. Das kundige Publikum, teilweise mit den ausgefeilten Texten auf den stummen Lippen, hatte fast im Minuten-Takt etwas zu lachen. Feinsinniger Wortwitz und Sprachspiele, Arnold Hofheinz als mümmelnder Professor und Illi Oehlmann als durchgeknallte Politesse im "Parkgebühren"-Streit, all das summiert sich zu Kleindramen über die Tücke des Objekts.

Pressestimme: Loriot auf der Bühne mit viel Wort- und Situationskomik

Volksstimme Halberstadt, 20.4.2009
Von Hans Walter

Quedlinburg. „Loriots dramatische Werke“ haben am Sonnabend das Premierenpublikum in der Neuen Bühne des Nordharzer Städtebundtheaters in Quedlinburg erheitert. In der Regie von Robert Klatt als Gast spielten Illi Oehlmann, Arnold Hofheinz und Jens Tramsen. Sie schlüpften in gut zwei Stunden wandlungsfähig in 22 Rollen – und konnten dennoch nur einen Bruchteil des Gesamtwerkes des Meisters der feinen Komik und der Sprachspielerei umreißen. Auf 760 Minuten liegt es auf DVD vor. „Mein Thema ist die Kommunikation“, sagte der 1923 geborene Loriot, und zwar „das Missverständnis zwischen zwei Menschen. Kommunikationsgestörte interessieren mich am meisten. Alles, was ich als komisch empfnde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden.“ Spätestens seit er 1985 seine „Dramatischen Werke“ am Aachener Theater selbst inszeniert hatte, rückte er auch zum Bühnenklassiker auf – wie Ringelnatz, Karl Valentin, Otto Reutter. Das ist freilich schwierig. Zu groß ist die Medienpräsenz des Meisters, seine enorme Popularität. Er ist Bürger durch und durch und nimmt Bürgerlichkeit in unterschiedlichsten Ausprägungen auf die Schippe. Das kann man eigentlich nicht toppen. Klatt unternahm mit seinem kleinen Ensemble und der Ausstatterin Susanne Bachmann dennoch den (gelungenen) Versuch. Das variable Bühnenbild und eine Vielzahl wechselnder Kostüme und Perücken ließ schnelle Abfolge zu. Vor allem in den Szenen, in denen alle drei Spieler auf der Bühne waren, entstand jene irrwitzige Komik, die die Fans von Loriot so sehr lieben, wie in „Parkgebühren“ oder „Kleinsparer“. Oder in dem als Zugabe gespielten Sketch „Brat fettlos“ – einer sich verrückt steigernden schauspielerischen Etüde der Wort- und Situationskomik.
Um den schnellen Wechsel zu ermöglichen, waren die „Liebesbriefe“ an einen Beamten, eines Ehemanns an den Verehrer seiner Frau, eines Astronauten an die Geliebte oder eines promiskuitiven Filmschauspielers zwischen die Szenen geschnitten – köstliche solistische Miniaturen. Herrlich auch Illi Oehlmann in der „Inhaltsangabe“ mit steigernden Versprechern, Arnold Hofheinz als betulich-zögerlicher Mäusekäufer oder Jens Tramsen in „Autofrei“ und „Das Filmmonster“ in einer aberwitzigen Maske.
Intendant Johannes Rieger war zur Premiere unterwegs in Saalfeld und Rudolstadt und dirigierte als ausgewiesener Spezialist für neue Musik die Uraufführung von „Carte blanche“, ein Auftragswerk der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. „Das entspannt wenigstens etwas die Kartenlage“, schrieb er mit seinen Glückwünschen zur Premiere, bei der einige Besucher vergebens auf Karten hofften.
Langer Beifall des Publikums in der ausverkauften „Neuen Bühne“, und auch die nächsten vier Vorstellungen sind ausverkauft. Die Inszenierung ist auf Wanderschaft außerhalb der Theater angelegt und im Sommer auch zu erleben im Wasserschloss Westerburg, im Wipertihof Quedlinburg und im Kreuzgang der Halberstädter Liebfrauenkirche.