4. Sinfoniekonzert

MEIN VATERLAND

Bedřich Smetana: „Mein Vaterland“ - Sechs sinfonische Dichtungen

Dirigent: Martin Hannus

Kein orchestrales Werk ist für die tschechische Nationalmusik so wichtig gewesen, wie Bedřich Smetanas sinfonische Dichtung „Mein Vaterland“. Das berühmteste Stück aus diesem Zyklus über die tschechische Seele ist wohl zweifellos „Die Moldau“, jedoch bietet das Gesamtwerk noch viel mehr an passionierter Leidenschaft und gliedert die musikalische Größe jenes einzelnen Auszuges in einen weitaus faszinierenderen Zyklus über das tschechische Nationalbewusstsein ein. Das Werk „Mein Vaterland“ steht in einem engen Zusammenhang mit der Oper „Libusa“, die Smetana 1872 komponierte und als nationales festspielt konzipiert hatte. Zuerst war der Zyklus „Ma Vlast“, so der tschechische Originaltitel, als sinfonischer Vierteiler geplant, denn nach der Beendigung jener vier Teile, musste Bedřich Smetana seine Arbeit unterbrechen. Gesundheitliche Probleme, insbesondere die voranschreitende Ertaubung mit den starken Ohrgeräuschen machten dem Komponisten zu schaffen, so dass er sich für die nächsten drei Jahre auf das Anwesen seiner Tochter Žofie zurückzog. Erst 1878 komponierte er die beiden letzten Teile „Tábor“ und „Blaník“, die seine sinfonischen Dichtungen „Mein Vaterland“ vervollständigten. Mit seiner Musik thematisiert Smetana die malerischen Landschaften, die turbulente Historik und die gewaltigen Mythen seines Heimatlandes. Erstmals wurde das Werk am 5. November 1882 in Prag aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war der Komponist schon völlig ertaubt und konnte der Uraufführung aus gesundheitlichen Gründen schon gar nicht mehr beiwohnen. Allerdings hinterließ „Mein Vaterland“ einen so gigantischen Eindruck im tschechischen Nationalbewusstsein, dass der sinfonische Zyklus Smetanas traditionell den Auftakt des „Prager Frühling“ bildet. Dieses internationale Kunst- und Musikfestival, welches am 12. Mai, dem Todestag des Komponisten, beginnt, ist alljährlich das große Zentrum von Künstlern aus ganz Tschechien. Die musikalische Leitung des Gesamtwerkes am Nordharzer Städtebundtheater übernimmt der 1. Kapellmeister Martin Hannus. Der Münchner studierte Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik und Theater München bei Jaques Delacôtes und Prof. Bruno Weil und sammelte während und nach dem Studium reichlich Praxiserfahrungen. Er dirigierte Opern wie „Die heimliche Ehe“ von Domenico Cimarosa, „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart, „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti, „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck und „La Centerentola“ von Gioacchino Rossini. Zudem hatte er die musikalische Leitung der Kammeroper München, des Siemens-Orchester München und der Münchner „Philludiker“ inne und dirigierte als Gast bei den Münchner Symphonikern. Seit Januar 2007 führt Martin Hannus nun auch den Taktstock des 1. Kapellmeisters am Nordharzer Städtebundtheaters und gab mit der musikalischen Leitung von „Die lustigen Weiber von Windsor“ seinen geachteten Einstand. Mit frischer und enthusiastischer Orchesterarbeit konnte er das Halberstädter Publikum bereits für sich gewinnen, so erst kürzlich bei der gefeierten Premiere von „Die Hochzeit des Figaro“.