
Der Halberstädter Dom wird in der Inszenierung von Ballettmeister Jaroslaw Jurasz und Ausstatterin Kordula Kirchmair-Stövesand nicht nur zur Bühne, er wird Schauplatz einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen und deren Spiegelung in liturgischen Ritualen. Die katholische Gottesdienstform der Messe erweitert und öffnet Jaroslaw Jurasz durch Gedanken und Geschichten, wie das Ringen und Zweifeln des Einzelnen, ein Leben zwischen Wahrnehmung von irdischer Wirklichkeit und Vertrauen in Gott. Dabei verwendet er abstrakte Choreografien zur Gottesanbetung und die Darstellung von konkreten persönlichen Konflikten. Die Kulisse ist der Dom, ergänzt durch kollagierte Kreuzesprojektionen.
Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy folgt dem Schema einer Messe und erzeugt durch die Verwendung von vokaler und sinfonischer Musik eine reizvolle Klangmischung im Dom. Die Musik des tiefgläubigen Katholiken Mozart und des vom jüdischen Glauben zum Christentum übergetretenen Mendelssohn gibt hörbare Anlässe zu Auseinandersetzung mit verschiedenen Erscheinungsformen des Glaubens und eines toleranten Umganges ihrer Verteter. Damit schließt sich auch bei den diesjährigen Domfestpielen thematisch der Kreis um den Halberstädter Dom mit seiner wechselvollen Geschichte und Verantwortung.