Am Nordharzer Städtebundtheater inszenierte Christian Poewe 2008 „Papageno spielt auf der Zauberflöte“ und wurde daraufhin für die neue Revuette engagiert. Unter dem Titel „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen“ stellte er Schlager über das Schlafen und Träumen zusammen und schrieb eine kleine Geschichte. So entstand ein heiterer Abend über eine Nacht, die nicht enden will. Nicole schaut wie so oft bei ihren Freunden Dieter und Thomas Fernsehen. Als sie gehen will, überreden sie die Jungs, doch über Nacht da zu bleiben. Sie ahnt nicht, auf was sie sich einlässt. Nachdem die Schlafcouch hergerichtet, die Zahnbürste und das Schlaf-T-Shirt bereitgestellt sind, kehrt noch lange keine Ruhe ein ...
Aufführungsdauer: 1 ¾ Std.
Besetzung
| Musikalische Leitung | Violetta Kollar |
| Inszenierung | Christian Poewe a.G. |
| Ausstattung | Alrune Sera a.G. |
| Mitwirkende | Ingo Wasikowski / Arnold Hofheinz / Illi Oehlmann |
Pressestimme: Eine Ode an die Schlaf-Couch
KAMMERPREMIERE Ein Quartett bietet Nachtprogramm mit den schönsten Schlagern.
VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ - "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da", so heißt die neue Schlagerrevuette am Nordharzer Städtebundtheater, die am Sonnabend in der Kammerbühne eine ausverkaufte Premiere feierte. Aus dem musikalischen "Waschsalon" der vorigen Spielzeit geht es nun zu Bett. Oder besser auf eine Schlafcouch. Rund um diese Schlafstatt dreht, kuschelt und klingt alles, mit frivolen wie schweren Träumen.
Die mit lockerer Hand inszenierte Unterhaltung verdankt das Publikum Christian Poewe. Er ist kein Neuling am Haus. Hat er doch zu Beginn der vorigen Spielzeit die Kinderoper "Papageno spielt auf der Zauberflöte" in Szene gesetzt. Und wie damals übergab er die musikalische Leitung an Violetta Kollar, die als Frau Kerekes von gegenüber kräftig mitspielt, und die Ausstattung Alrune Sera. Dass sich zum Sänger Ingo Wasikowski die beiden singenden Schauspieler Illi Oehlmann und Arnold Hofheinz gesellen, macht die musikalische Kissenschlacht komplett.
Die Clique thront auf der Couch, schaut fern und ploppt mit den Bierflaschen. Als Nicole (Illi Oehlmann) gehen will und es draußen zum Glück regnet, nimmt eine Nacht ihren Lauf. Eine Nacht, die voller Schlager über die Nacht, das Schlafen, Wachen und Träumen ist und die alles ändert. Da fliegen Kuscheltiere und Türen, schmeißt man sich hin und her und in das Nachtzeug, legt Gurkenscheiben aufs Gesicht und schnurpst sie vor Schlaflosigkeit.
Aber zu jeder noch so aberwitzigen Situation passt ein Schlager. Ingo Wasikowski greift als Dieter, einem Minnesänger im Schlafanzug gleich, zur Gitarre, Arnold Hofheinz zum Akkordeon und auch mal unter die Schlafdecke. Da wird der Ficus benjamini gerockt und auf der Sofa-Lehne geritten. An Schlafen scheint da nicht zu denken, was nicht nur am konsumierten Bier liegt, das ausgepullert werden muss und schwere Gedanken macht.
Heiter, sehnsüchtig und verträumt klingen die Weisen, a capella gelegentlich, aber zumeist am Klavier von der lockenwicklergekrönten Morgenmantel-Pianistin Violetta Kollar kraftvoll begleitet. Die drei Darsteller gaben stimmlich alles und hatten sichtlich Spaß an ihrem Spiel rund um das Nicht-Schlafen. Die abwechselnd aus beiden Nachbarzimmern angebaggerte Nicole in Person von Illi Oehlmann macht dabei selbst das andächtige Zähneputzen zum Hingucker.
Mit lockerer Hand hat Christian Poewe die Nachtsongs, Schlafmusiken und Traummelodien gemixt. Sie sollen ja nicht genau so klingen wie vor 40, 10 oder 100 Jahren. Dass Schlager nicht unbedingt nur eine Genrebezeichnung ist, beweisen der Griff ins Opernfach beim Nachtgebet, ein Musical-Song oder der Blick aufs Notenblatt von Beethoven und Debussy. Sonst geht es respektlos an Werding und Gabriel, man trifft Sinatra, die Ärzte und Klaus Lage. Mit seinem die Situation gut beschreibenden "1000mal berührt" geht es in die Pause und wie man es aus dem Fernsehen gewohnt ist, auch danach wieder los.
Doch der Hit des Abend, der auch noch mal als Zugabe erklang, war "Der Löwe schläft heut Nacht", wozu die Tatzen-Hausschuhe angezogen und zu Rasseln und Schellen gegriffen wurde. Da hielt es selbst das Publikum nicht zurück. Nach fast durchgemachter Nacht findet man sich bei Griegs "Morgenstimmung" dann gar nicht verstimmt in überraschender Konstellation beim Frühstück im Bett wieder. Man braucht nicht im Frühstückskaffeesatz zu lesen, die ausgeschlafene Revuette wird wieder sehr viele Zuschauer ins Theater ziehen.