
Inszenierung Robert Klatt a.G. Ausstattung Alrune Sera a.G. Pippi Thomas Jörg Vogel Annika Susanne Rösch Kling und Klang, Polizisten Jens Tramsen a.G. / Markus Manig Donner-Karlsson und Blom, Landstreicher Jens Tramsen a.G. / Markus Manig Manager (ein-Mann-Zirkus) Arnold Hofheinz Kapitän Langstrumpf Arnold Hofheinz Frau Prysselius, Frau Settergren Illi Oehlmann Frau Granberg Markus Manig Frau Grünberg Jens Tramsen a.G. Frau Kronberg Arnold Hofheinz Matrosen Jens Tramsen a.G. / Markus Manig Schulkinder Arnold Hofheinz / Jens Tramsen a.G. / Markus Manig Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters
Volksstimme Magdeburg, 23.5.2008
Traditionsgemäß eröffnet das Nordharzer Städtebundtheater seine Sommerspielzeit auf dem „Berg“ mit einem Stück für Kinder. In diesem Jahr bringt zur Freude aller Kinder ein kleines Mädchen mit großen Schuhen, einem Affen und einem Pferd die Welt der Erwachsenen durcheinander. „Pippi Langstrumpf“ nach den Geschichten von Astrid Lindgren sorgt für ein turbulentes Theatererlebnis in wunderschöner Bergkulisse.
Von Dr. Herbert Henning
Thale. Es ist eine ganz besondere Mathematik, die sich das kleine Mädchen mit den abstehenden roten Zöpfen, den viel zu großen Schuhen und dem Äffchen Herr Nielson auf dem Rücken als Lebensphilosophie zurechtgelegt hat: „Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune, ich mach’ mir die Welt, widdewiddewitt wie sie mir gefällt.“
Sie bezieht die „Villa Kunterbunt“ und Annika und Thomas werden ihre besten Freunde, die aus dem Staunen über Pippilotta Rollgardia Pfefferminza, Efraimstochter Langstrumpf und ihr lustiges Leben ohne Schule, Hausaufgaben und Eltern nicht herauskommen.
Drei mal drei macht sechs
Aus den vielen Geschichten, die Astrid Lindgren vor mehr als 60 Jahren aufgeschrieben hat, die in vier Spielfi lmen mit der unvergleichlichen Inga Nilson als Pippi und in der 21-teiligen Kultserie im Fernsehen Generationen von Kindern begeisterten, hat Robert Klatt für das Harzer Bergtheater eine Bühnenfassung erarbeitet, die einige Abenteuer von Pippi Langstrumpf zu einem aktionsreichen Spiel bündelt.
Das beginnt mit dem Einzug der kessen Göre auf dem Rücken ihres Pferdes „Kleiner Onkel“ und endet mit der lang ersehnten Begegnung Pippis mit dem Seeräuber Käptn Efraim Langstrumpf und seiner Crew.
Pippi Langstrumpf (temperamentvoll Elisa Ottersberg) und mit kindlicher Neugier ihre Freunde Annika (Susanne Hessel) und Thomas (Markus Bölling) sind die Hauptpersonen der Geschichten, die Robert Klatt mit sehr viel Gespür für kindgerechte Situationskomik (ohne vordergründigen Klamauk) inszeniert hat. Er bedient dabei optimal den von Alrune Sera ideenreich ausgestatteten Spielraum der Bergbühne mit der „Villa Kunterbunt“ als Blickfang. An den Reaktionen der Kinder und Erwachsenen konnte man ablesen, dass die Abenteuer von Pippi und ihren Freuden allesamt wohlbekannt sind.
Sieben Schauspieler in vielen Rollen
Und so gab es noch mehr Freude an den schauspielerischen Überraschungen, mit denen die sieben Schauspieler des kleinen Ensembles in mehr als ein Dutzend Rollen aufwarteten. Natürlich erkannte man, dass die von Pippi gefoppten Polizisten Kling und Klang, die Landstreicher Donner-Karlson und Blom auf Diebszug, die Matrosen von Käptn Langstrumpf und die „Kaffeeklatsch“-Tanten Frau Gran berg und Frau Grünberg immer wieder – mit komödiantischem Zauber verwandelt – Jens Tramsen und Sebastian Müller waren, die wahrlich schauspie lerische Schwerstarbeit leiste ten. Wie auch Mathias Kusche der in seinem Ein-Mann-Zirkus Adolfson gleichzeitig Direktor, Kraftprotz im Batman Outfit und Dompteur ist, die etwas abgedrehte „Kränzchen“-Dame Frau Kronberg hinreißend mimt und in einem richtigen Boot als Pippis Seeräuber-Papa auf die Bühne segelt.
Und die wunderbare Illi Oehlmann macht als zickige Frau Prysselius, als von Pippi mit ihrer „Plutimikation“ genervte Lehrerin, als nervige Frau Settergrin und etwas vergessliche Mutter von Thomas und Annika, aus ihrem Spiel kleine schauspielerische Kabinettstückchen. 20 Aufführungen (auch im Wasserschloss Westerburg und im Schloss Wolfenbüttel) wird es geben, und Pippi Langstrumpf wird singen: „Drei mal drei macht sechs, widdewiddewitt wer wills lernen? Alle, groß und klein, tralala lad ich zu uns ein.“
Mitteldeutsche Zeitung, 22.5.2008
Von Uwe KrausThale. Der rothaarige Wirbelwind Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf – kurz Pippi Langstrumpf – erobert seit Mittwoch wieder die Kinderherzen auf der Grünen Bühne des Harzes. Man erinnert sich noch gut an vergangene Freiluft-Pippi-Inszenierungen und mag es kaum glauben, eine neue Kindergeneration genießt nun den Klassiker der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Die kleine Anarcho-Heldin Pippi Langstrumpf ist mit ihrer Pfiffigkeit, mit Phantasie und einer Portion Furchtlosigkeit sowie ihren Freunden Thomas (Markus Bölling) und Annika (Susanne Hessel), mit Herrn Nilsson und Kleiner Onkel unterwegs. Der bergerfahrene Regisseur Robert Klatt, der besonders das junge Publikum seit einigen Spielzeiten mit Hotzenplotz, Heidi und aber auch Cyrano de Bergerac begeistert, bringt eine flotte Pippi auf die Bühne und hat dabei in Elisa Ottersberg eine quirlige Darstellerin gefunden, die ausgelassen über die Spielfläche tanzt und sich mit vielen Leuten anlegt: Mit dem als Superman kostümieren Rudolf Rudolfsson aus dem Zirkus des berlinernden Adolfs (beides Mathias Kusche), den sie auf die Bretter haut oder Donner-Karlsson und Blom, die den Versuch unternehmen, das Seeräubergold aus der Villa Kunterbunt zu klauen. Klatt frönt diesmal nicht nur seiner Vorliebe für serbokroatische Blasmusik, sondern lässt Pippi mit Frau Prysselius (Ili Oehlmann) einen feschen Pippi-Rock hinlegen, wofür es Sonderapplaus gab. Immer wieder setzt das Stück aber auch auf die Erwachsenen wie bei der „geriffelten Lakritzschnecke mit Himbeergeschmack“ in der Handtasche der Waisenvereinsvorsitzenden, bei Rudolfs Busenlandung oder den Hinweis auf die Auftautorte. Hingucken lohnt sich bei durchdachten Gesten wie beim Schweißschwamm der Lehrerin, deren Unterricht Pippi nur besucht, um ihr Recht auf Weihnachtsferien durchzusetzen.
Hochachtung verdienen neben dem Freundes-Trio besonders die drei anderen Akteure des Schauspielensembles. Schließlich schlüpfen Sebastian Müller, Jens Tramsen und Ilie Oehlmann immer wieder schnell in die Räuber-Polizei-Kränzchendame-Kinder-Matrosen-Rollen. Alrune Sera stellte als Bühnenbild die Villa Kunterbunt in den Mittelpunkt, schräg, wie das Leben der noch nicht einmal zehnjährigen Pippi, und fügt den Einfällen des Regisseurs immer wieder einige optische Details hinzu. Das teilbare Pferd „Kleiner Onkel“ wird sich ins Gedächtnis der Kinder einprägen.
Es sind 75 Minuten, in denen man die etwas chaotisch anmutende Pippi lieb gewinnt, auch wenn sie die beiden Polizisten Kling und Klang auf dem Dach festhält oder ihr Gesicht in die Torte tunkt. Ein paar Schwindeleien nimmt man ihr nicht übel und schließlich hat sie immer eine verrückte Idee auf Lager. So versteht der Zuschauer, dass sie ihre Freunde nicht von ihr trennen wollen, als Seeräubervater Efraim Langstrumpf mit seinem Piratenboot unweit der Villa anlegt. Aber er lässt beim Absegeln für Pippi die nötigen Alimente da, von denen sie weiter ihren lustigen Lebensstil pflegen darf.