“Es war die Nachtigall und nicht die Lerche.” Zwei Liebende kommen nicht zueinander, weil ihre Familien verfeindet sind. Die schönste und meistzitierte Liebesgeschichte vom Altmeister Shakespeare begleitete Generationen junger und jung gebliebener Menschen bei ihrem Traum vom Glück. Das Drama diente als Vorlage für Film, Oper und Musical. Unter den Balletten ist wohl das vom Moskauer Bolschoi-Theater in Auftrag gegebene Werk von Sergej Prokofjew am bedeutendsten. Seine von Einfällen überbordende leidenschaftliche Musik ist auch durch die gleichnamigen Orchestersuiten weltweit bekannt geworden. Temperamentvoll und rhythmisch komplex strotzt das Werk voller Lebenskraft. Für den Geschichtenerzähler Jaroslaw Jurasz und sein Ballettensemble bietet diese Musik eine ideale Basis für ein neues Ballett im Shakespeare-Zyklus sowie artifiziellen Tanz, große Szenerien und eindrückliche Gefühlsdarstellung.
Aufführungsdauer: ca. 2 Std.
Gefördert von
Besetzung
| Inszenierung und Choreografie | Jaroslaw Jurasz |
| Ausstattung | Kordula Kirchmair-Stövesand a.G. |
| Romeo | Daniel James Butler |
| Julia | Tiana Lara Hogan |
| Tybalt | Marcelo Dono |
| Mercutio | Jaume Bonnin |
| Paris | Gareth Sollars |
| Bruder Laurent | Marcelo Dono |
| Benvolio | Stephan Müller |
| Amme | Ute Karadimow |
| Gräfin Capulet | Katia Alves de Alencar |
| Prinz von Verona | Stimme |
| | Ballettensemble und Tanzstatisterie des Nordharzer Städtebundtheaters |
Pressestimme: Das größte Liebespaar aller Zeiten
Ballettmeister Jaroslaw Jurasz führt mit "Romeo und Julia" seinen Ballettzyklus fort.
Mitteldeutsche Zeitung Quedlinburg, 11.11.2010
VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ - Es ist wohl die Liebesgeschichte schlechthin und jeder weiß, sie geht tödlich aus. Und doch folgt man fasziniert Sergej Prokofjews Ballettklassiker "Romeo und Julia". So wirft sich auch beim von Jaroslaw Jurasz am Nordharzer Städtebundtheater choreografierten Ballett die Frage nach dem Wie auf. Aus Shakespeares Vorlage von der durch Familienzwist überschatteten Liebe zweier junger Menschen legt er mit großer Stringenz die Tragödie frei.
Jurasz entsagt in der fast zweistündigen Inszenierung jeder Fortschreibung und Aktualisierung. In der Ausstattung von Kordula Kirchmair-Stövesand wird jene Zeit in Verona lebendig, in die William Shakespeare sein berühmtestes Liebespaar der Weltliteratur fügte. Allein die roten Lichtpfeile, das blinkende Kreuz des Sarkophags und die "Love"-Leuchtschrift an den Theaterwänden weisen ins Heute. Sergej Prokofjews Komposition von 1935 gilt als Höhepunkt seines Schaffens und als einer der Ballettmusikklassiker des 20. Jahrhunderts. Melodisch außerordentlich vielfältig, in Tönen schwelgend und in den Instrumentengruppen farbig instrumentiert, bietet die Partitur eine wunderbare Vorlage für vielschichtige Tanzszenen. Leider hört man das alles - bestens eingespielt - nur aus der Konserve.
Die zwölf Akteure des Handlungsballetts transformieren diese Musik, die den Bogen zwischen Lyrischem und beeindruckenden Crescendi spannt, in die Sprache ihrer Körper. Jaroslaw Jurasz wird auch mit dieser Inszenierung seinem Ruf als Geschichtenerzähler gerecht. Sein nach "Othello" und "Hamlet" nunmehr drittes Shakespeare-Ballett versprüht Dramatik, bietet seinen Darstellern große Szenen voller Leidenschaft und großen Gefühlen. Immer wieder ringt es Respekt ab, wie er seine kleine Compagnie führt. Ausdrucksstärke in Liebe wie in Leid zeichnet seine Protagonisten ebenso aus wie Körperbeherrschung. Das Gespür des Ballettmeisters für die Besetzung der einzelnen Rollen bescherte ihm und seinem Ensemble bei der Premiere viel Beifall. So erlebte das Publikum erstmals Marcelo Dono, Gereth Sollars und Judith Speckmaier auf der Großen Bühne. Bravo-Rufe gab es für Ute Karadimow, deren Rolle als Amme stark herausgearbeitet ist und die durchaus auch komische Momente in die Aufführung einbringt.
Die Titelrollen tanzen mit Daniel James Butler (Romeo) und Tiana Lara Hogan (Julia) zwei Solisten, die bereits in der vergangenen Saison für ihren "Dornröschen"-Titelpart viel Lob ernteten. Gerade die komplexe Rhythmik der Prokofjew-Musik stellt die beiden Tänzer vor anspruchsvolle Aufgaben. Gilt es doch, die immense emotionale Tiefe der Geschichte vom Nicht-Ausleben-Können ihrer tiefen Zuneigung nachvollziehbar auf die Ballettbühne zu bringen. Intensiv tanzen Romeo und Julia dieses schicksalhafte Ankämpfen gegen das anrollende Ungemach, das sie erst wirklich im Tod vereint. Tiana Lara Hogan wirkt natürlich, strahlt trotz ihrer Mädchenhaftigkeit Selbstbewusstsein und Liebenswürdigkeit aus. Der Romeo an ihrer Seite wird von Daniel James Butler mit kraftvollen Sprüngen und galanten Fecht-Eskapaden getanzt. Welch glückhaftes Schweben offenbart ihr Pas de deux in der Balkonszene! Bewegender wirkt nur noch der Tanz von Romeo mit der scheintoten Julia im Arm.
Katia Alves de Alencar beweist als Gräfin Capulet, wie unter die Haut gehend Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen getanzt werden kann. Verdiente Bravos auch für sie. Jedoch wäre die Inszenierung nicht zu einem so bewegenden Erlebnis geworden, wenn nicht Marcelo Dono als Tybalt und Bruder Laurent, Jaume Bonnin als Mercutio, Gereth Sollars als Paris und Stephan Müller als Benvolio ein hohes Maß an Energie, tänzerischem Können und Präzision an den Tag legten. Jaroslaw Jurasz fügte das zu einem tempogeladenen und poetischen Ballett von einer Liebe, die von Beginn an zum Sterben verdammt ist.