Schillers sämtliche Werke… leicht gekürzt

Komödie von Michael Ehnert

Vier Schauspieler haben sich aufgemacht, den ganzen Schiller, den wahren Schiller zu entdecken. Sie begegnen der schönen Luise und ihrem Ferdinand, dem Infanten von Spanien Don Carlos, der englischen Königin Maria Stuart und vielen Reclam-Bekannten mehr. Zugegeben: leichte Kürzungen mussten am Gesamtwerk vorgenommen werden… Schillers Sprache, sein Idealismus, sein Ansinnen werden an diesem Abend auseinander genommen. Daran beißen sich die Schauspieler ihre Zähne aus, dadurch erlangen sie ihre ganze Motivation. Sie arbeiten sich zeitlich voran, zerteilen, zerlegen, benutzen und verehren Schillers kulturelles Erbe und sind dabei doch stets die egoistischen Schauspieler. Wer erweist sich des Schillers als würdig? Wer darf seine Sprache in den Mund nehmen? Darf welche Rolle spielen? Ohne Zweifel, Schiller ist die Messlatte, Schiller ist ein Klassiker.

- Kannst du das denn?
- Was?
- Schiller sprechen?
- „Schiller“.

Inszenierung  Fernando Blumenthal
Kostüm und Bühne  Susanne Besser
Mike  Gerold Ströher
Chris  Arnold Hofheinz
Jan  Sebastian Borucki
Hilmi  Julia Siebenschuh
Musiker  Andriy Klymyshyn

Schillers Werke im Zeitraffer

Schauspieler spielen Schauspieler, die wiederum Schiller spielen wollen: Aus Kostengründen für Theater und Besucher gleichermaßen ganze elf Werke an einem Abend.

Wie heute vor dem Runterladen eines Songs im Internet wird alles kurz mal angespielt. Trotzdem gelingt es, einige Figuren durchaus mit prallem Leben zu füllen. Arnold Hofheinz gibt beeindruckend einen Wallenstein, der einem von Allmachtsfantasien getriebenen Adolf Hitler verdammt ähnelt, den Bruno Ganz in “Der Untergang” spielte, womit man wieder bei Schiller und Ifflands Ring landet.

Für Klassik-Muffel schlagen die Vier den Bogen zu Stars des 20. Jahrhunderts: Uma Thurman, Michael Corleone und Quentin Tarantino, den Ströher immer wieder zum Schiller-Erbfolger deklariert. Für ihn gilt “Kabale und Liebe” doch schon als der vorweggenommene “Pate”, Schiller hält er für den Tarantino der Weimarer Klassik.

Zum Schluss herrscht dann auf der Bühne Einigkeit: Schiller war eine “alte abgefuckte coole Sau”. Und im Zuschauerraum: “Lohnende zwei Stunden Klassik, lustig und light.” Weitere Vorstellungen am 24. Juli im Kreuzgang der Liebfrauenkirche Halberstadt und am 31. Juli im Wipertihof Quedlinburg.

Uwe Kraus / Mitteldeutsche Zeitung

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