... armer Wandergesell.“ So stellt sich ein junger Mann vor, der sich als Vetter Roderich ausgibt. Alles nur aus Liebe zur schönen Julia, die den Vetter seit ihrer Kindheit verehrt, aber nicht mehr gesehen hat, weil dieser in fernen Kolonien verschwand. Die junge reiche Julia soll mit Egon, des Landrats Sohn, verheiratet werden. Das will Julias Onkel und Vormund Josef Kuhbrot verhindern. Um an das Erbe Julias zu gelangen, soll sein Neffe August Kuhbrot Julia heiraten. Zwei Bewerber, eine Braut und nun ist auch noch der Vetter von weit her dazwischen gekommen. Die sich rasend entwickelnden Turbulenzen lösen sich erst auf, als der echte Roderich auftaucht. Julia befragt ihr Herz und wählt den richtigen Mann fürs Leben. Hochkarätiger Operettenspaß mit heiterem Verwechslungsspiel, großen Gefühlen und einem charmanten Vetter aus Dingsda.
Aufführungsdauer: ca. 2 ¼ Std.
Termine
|
| Sa, |
03.09.11, |
16.00 |
Uhr |
Waldbühne Altenbrak
|
|
|
|
Besetzung
| Musikalische Leitung | Symeon Ioannidis |
| Inszenierung | Holger Pototzki a.G. |
| Ausstattung | |
| Julia | Nina Schubert |
| Hannchen | Thea Rein |
| Josse | Klaus-Uwe Rein |
| Wimpel | Norbert Zilz |
| Egon | Ingo Wasikowski |
| 1. Fremder | Xiaotong Han |
| 2. Fremder | Ki Soo Yoo |
| Karl | Norbert Zilz / Matthias Junghans |
| | Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters |
Pressestimme: Geräumige Bühne für zwei Erzkomödianten
Mitteldeutsche Zeitung, 8.8.2011
"Der Vetter aus Dingsda" landet im Altenbraker Bodetal.
VON UWE KRAUS
ALTENBRAK/MZ - Die Freiluft-Premieren dieses Theatersommers stehen - rein witterungstechnisch - offensichtlich unter keinem guten Stern. Nieselregen, Regencapes und kühle Temperaturen prägten die sonntägliche Premiere von "Der Vetter aus Dingsda". Doch die echten Operetten-Fans folgten gut verpackt der zweistündigen Aufführung auf der Altenbraker Waldbühne.
Ist es am Nordharzer Städtebundtheater oft Sitte, Inszenierungen von den Sommer-Spielorten ins Haus zu holen, verfuhr man mit dem von Holger Pototzki in Szene gesetzten Stück umgekehrt. Nach der Halberstädter Premiere im Herbst und Gastspielen zwischen Arnstadt und Hoyerswerda wandert "Der Vetter aus Dingsda" nun im Altenbraker Bodetal ein. Dort entsteht die Fress-Villa (Ausstattung Tanja Hofmann) von Josse Kuhbrot (Klaus-Uwe Rein) und Ehefrau Wimpel (Norbert Zilz), die es aufs Geld ihres Mündels Julia (Nina Schubert) abgesehen haben. Rein und Zilz, die beiden Erzkomödianten, waren den Theaterbesuch allein schon wert.
Die Naturbühne erlaubt, dass etwas weiträumiger agiert wird; die bewaldete Weite ermöglicht, dass sich der Fremde durch den Wald zur Villa pirscht. Gleichzeitig lässt sie den Dirigenten Symeon Ioannidis aus dem Orchestergraben kommen, um die Sänger auch zu sehen.
Auf den ersten Blick hat sich in der Open-Air-Inszenierung, sieht man mal von Perücken ab, wenig geändert. So kommt der Altenbraker "Vetter" routiniert daher, immer bemüht, auch in der x-ten Aufführung sauber zu singen und zu agieren, auch wenn die äußeren Bedingungen keineswegs optimal waren, was das Publikum durchaus honorierte. Der Operetten-Herz-Schmerz mit Hits wie "Ich bin nur ein armer Wandergesell" oder "Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht" bescherte nicht nur vor genau 90 Jahren Eduard Künneke bei der Premiere in Berlin Anerkennung. Auch im Harz kamen der August Kuhbrot aus Berlin (Xiaotong Han) und der sieben Jahre abwesende, Millionen schwere Vetter Roderich de Weert aus Batavia (Ki Soo Yoo) sehr gut an.
Doch komödiantisch stahl ihnen als unglücklich verliebter Egon von Wildenhagen Ingo Wasikowski die Show. Immer wieder knallte er nebst Blumenstrauß gegen Türen und vermochte so tapsig bei keiner Frau zu landen. Dafür entblätterte er Blüten und hing mit seinem Teddy am Tropf. Nina Schubert ist als Julia das Objekt der Begierde. Via Mond pflegte sie mit ihrem Roderich zu kommunizieren. Doch der hat die Beziehung als Kinderei abgetan. Julia öffnet ihr Herz nur Freundin Hannchen. Thea Rein spielt und singt diese Rolle locker, manchmal etwas neidisch auf Julia, die wenigstens in der Ferne jemanden hat, auf den sie ihre Liebesschwüre fokussieren kann. Letztlich schweben dann beide auf den Wogen des Glücks und der Liebe.
Künnekes Melodien-Mix fließt trotz miesen Wetters wohlklingend aus dem Orchestergraben. Bleibt zu hoffen, dass in der Inszenierung nicht nur der Mond strahlt, sondern bei den nächsten Altenbraker Aufführungen auch die Sonne.
Pressestimme: "Der Vetter aus Dingsda" mit Witz und hintergründiger Ironie
Volksstimme Halberstadt, 21.9.2010
Von Helmut Rohm
Halberstadt. In einen an den Vollmond erinnernden großen Käse beißt Josse Kuhbrot, um seine Fressgier zu befriedigen. Seine Nichte Julia hingegen himmelt allabendlich den Mond an, um ihre Sehnsucht an den vor sieben Jahren von dannen gezogenen Jugendfreund Roderich zu stillen. Auf der Halberstädter Bühne des Nordharzer Städtebundtheaters erlebte am Sonnabendabend die Operette "Der Vetter aus Dingsda" mit der Musik von Eduard Künnecke ihre Premiere vor begeisterten Zuschauern im nicht ausverkauften Haus. Julia (Nina Schubert) steht kurz vor ihrer Mündigkeit. Ein mit Verwicldungen gespicktes Spiel um Geld und/oder Liebe mit ganz handfesten finanziellen Interessen der beiden Vormunde "Josse Kuhbrot (Klaus-Uwe Rein) mit Ehefrau "Wimpel" (Narbert Zilz) und Landrat von Wildenhagen auf das Erbe spitzt sich zu. Sie wollen Neffen August (Xiaatang Han) bzw. Sohn Egon (Ingo Wasikowski mit großem kbmödiantischen Spiel) "platzieren". Aber Julia klammert sich träumerisch an Roderich (Ki Soo Yoo), der im fernen Batavia, in "Dingsda" lebt, und wie sich später herausstellt, seine Jugendgespielin längst vergessen hat. Dazwischen Diener Karl (Matthias Junghans): Nichts sagen, nur wundern und tun ... Der Halberstädter "Vetter aus Dingsda" lehnt sich eng an die originale Vorlage an (Uraufführung 1921). Einen "nostalgischen Schinken" schlechthin hat Regisseur Holger Pototzki aber ganz und gar nicht auf die Städtebundtheater-Bühne gebracht. In fast allen Szenen blinkert Augenzwinkern durch, wird mit Witz und hintergründiger Ironie sowie ideenreichen Überzeichnungen allzu überbordender "Operettenschmalz" in die Realität zurückgeholt. Das Bühnenbild, anfangs mit Spinnweben in den Kuhbrot-Gemächern (Ausstattung Tanja Hofmann), die übergroßen Lebensmittel oder eine "Puppenspiel" -Szene sind nur einige Beispiele. Gesang und Spiel des gesamten Ensembles in trefflich gelungener charakteristischer und humorvoller Verschiedenheit der Figuren bietet beste Unterhaltung. Xiaotong Han agiert geheimnisvoll, stimmschön und gefühlstark, nicht nur als "ein armer Wandergesell". Träumerisch im Spiel, mit klarem und romantischem Sopran ist Nina Schuberts Julia. Dagegen sehr lebenslustig und ebenso wohlklingend kommt Thea Rein als Julias beste Freundin Hanrichen daher. . Zu einer wahren Show läuft das gesamte Ensemble bei "Sieben Jahre ..." auf. Das Orchester unter Symeon Ioannidis agiert in guter Abstimmung mit der Bühne und bringt die vielfach bekannten Melodien schwungvoll wie einfühlsam zu Gehör. Das passt alles zusammen. Alles in allem: Hier ist eine durchaus heitere und unterhaltsame Inszenierung gelungen. Nächste Aufführungen: 2l. und 22. September, jeweils 15 Uhr in Halberstadt, sowie 24. und 25, September, jeweils um 15 Uhr in Quedlinburg.
Pressestimme: Riesenkäse, Schmalz und Schmelz
VON UWE KRAUS
HALBERSTADT/MZ. Die Handlung wirkt trotz einer Verwechslung übersichtlich: Onkel Josse und Tante Wimpel wollen geldgierig ihr reiches Mündel Julia an ihren Neffen August Kuhbrot bringen. Doch die treue Vollwaise wartet sieben Jahre auf ihren Vetter Roderich, der gut im Südostasien-Geschäft mitmischt. Der kommt ebenso wie August in die de Weert'sche Fress-Villa, in der Julia mit Freundin Hannchen nach der großen Liebe lechzt. Bevor Herz zu Herzen findet, schaffen der in Julia verliebte Landratsspross Egon von Wildenhagen sowie die Dienerschaft noch etwas Pseudoverwirrung. Das genießt das Publikum, weil viele Ohrwürmer von der Bühne klingen.
Ohne "Ich bin nur ein armer Wandergesell" oder das von tiefem Sinn geprägte "Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht" würde Eduard Künnekes populärste Operette "Der Vetter aus Dingsda" im Notenarchiv Staub ansetzen. Regisseur Holger Pototzki mischt aus Schmelz, Schmalz und biederer Betulichkeit eine über weite Strecken witzig-spritzige Inszenierung mit gut aufgelegten Protagonisten und zuweilen Hintersinn.
Ki Soo Yoo singt den Roderich de Weert, der aus Batavia auf Java vorbeischaut, den August Xiaotong Han, der in Grün, mit Rucksack und leeren Taschen als dessen Double im Hause Kuhbrot aufgenommen wird. Ihrem Jugendschwarm und dem Bild, welches sie in ihrem Herzen trägt, ähnelt für die heiratsfähige Julia keiner der beiden Bewerber. Das große Lach-Los zog der Regisseur wohl mit der Besetzung einer sonst recht unterbewerteten Rolle. Wer hätte schon den lang gedienten Sänger Norbert Zilz als Tante Wimpel erwartet? Urkomisch wirken die Fressorgien mit dem wohlbeleibten Onkel Josse, den sein langjähriger Bühnenpartner Klaus-Uwe Rein gibt. Überhaupt balanciert die Produktion fast ständig am Abgrund zum Klamauk. Leidtragender ist der unglücklich verliebte Egon von Wildenhagen. Ingo Wasikowski tapst als Erzkomödiant in jedes Fettnäpfchen, knallt gegen Zimmertüren und gibt mit viel Slapstick und immer frischen Blumen den verschmähten Verehrer. Letztlich wird der etwas infantil Wirkende zwecks Sammeln von Erfahrungen nach Dingsda-Batavia verfrachtet.
Als Julia schmachtet Nina Schubert via Mond ihren Roderich an, der ganz andere Dinge im Kopf und nur noch ihren Abschiedsring am Finger hat. Für die Sopranistin ist es eine gelungene Ensemble-Premiere. Mit ihrem klaren Soprantimbre und einem Mix aus Sentimentalität, jugendlicher Schwärmerei sowie Verträumtheit empfing sie viel Beifall. Thea Rein als Freundin Hannchen an ihrer Seite wirkt munter, mit einer Portion Schalk versehen und sängerisch souverän. Xiaotong Han fügt sich mit schmelzig-schlankem Tenor als Charme versprühender August Kuhbrot bestens ins Ensemble ein, während Matthias Junghans sich als Diener Karl mit Serviertablett und Schusswaffe bewährt.
Für das Stück schuf Tanja Hofmann eine mit wenigen wichtigen Details wie Riesenkäse, Sessel oder den Kinderwunsch assoziierenden Wagen gestaltete Bühne. Die lässt nach dem Abräumen durch die Statisten aber viel Leerraum. Eduard Künneke mischt in seiner Musik Amerika, Indonesien, Deutschland und Holland, wodurch neben dem Operetten-Dreivierteltakt Foxtrott, Tango und Onestep zu einem mitreißenden Schwung zusammenfließen. Am Dirigentenpult bemüht sich Symeon Ioannidis, dieses Feeling aufzunehmen und um klangliche Ausgewogenheit zwischen Solisten sowie Orchester. Dabei wirkten die Instrumentalisten den Künstlerkollegen auf den Brettern gegenüber in der Lautstärke über weite Strecken zu dominant.