
Musikalische Leitung Martin Hannus Inszenierung Wolfgang Dosch a.G. Ausstattung Kordula Kirchmair-Stövesand a.G. Kurfürstin Marie Bettina Pierags Adelaide Gerlind Schröder Die Briefchristel Gabriele Rösel a.G. Baron Weps Klaus-Uwe Rein Graf Stanislaus Xiaotong Han Adam Tobias Amadeus Schöner Schneck Norbert Krug Süffle Ingo Wasikowski Würmchen Gijs Nijkamp Vorsitzende/Nebel Thea Rein Emmerenz Amrei Wasikowski Margerl Virgil-Carol Herca a.G. Weins-Leber Helmut Müller / Volker Jaremko Orchester, Opernchor, Extrachor
und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters
Volksstimme Magdeburg, 22.9.2008
Von Herbert Henning...Alpenglühen über bizarren Gletscherlandschaften, Tiroler Wirtshaus-Gaudi und Trachtenfolklore wohin das Auge schaut – Kordula Kirchmair-Stövesand hat mit viele Liebe zum Detail auf die Bühne ein Postkartenidyll „gezaubert“. Dazu, weil es ja um die kunterbunten Vögel geht, immer mal wieder das Vogelgetier aus dem Orchestergraben zwitschernd und flatternd, im Zuschauerraum und als Briefmarke am Seitenportal. Und wenn der fesche Tiroler Adam sein berühmtes „Grüß Euch Gott, alle miteinander“ in die Runde schmettert, erscheint kopfüber ein gelber Kanarienvogel. Operetten-Spezialist Wolfgang Dosch hat mit Wiener Charme und vielen schönen Einfällen Carl Zellers Operetten-Klassiker mit Witz und Ironie inszeniert. In seiner Spielfassung für das Nordharzer Städtebundtheater hat er „Madame Operette“ eine Verjüngungskur verordnet, die der „alten Dame“ rundum sehr gut bekommen ist. Die Textfassung sprüht vor Witz und so manchem Kalauer, und der „Jet Set“ hat auch die Tiroler Berge erobert. Ob Fürst oder Fürstin, Graf oder Baron, Vogelhändler oder Brief-Christel die Figuren der Operette mit ihren unsterblichen Melodien sind in dieser knallbunten Operetten-Bergwelt allesamt liebevolle Zeitgenossen, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise ihr Glück machen wollen.
Wolfgang Dosch hat sich für die Auftritte seiner liebevoll gezeichneten Figuren immer etwas Besonderes einfallen lassen: Bei Adam (Tobias Amadeus Schöner), dem Vogelhändler, flattern bunte Vögel aus dem Orchestergraben und der Kuckuck schreit sein „Kuckuck“. Später, wenn er der Fürstin Marie, die inkognito unterwegs ist, sein „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ singt, dann glühen die Alpen kitschig und ganz romantisch.
Die fesche Post-Christel bringt bei ihrem „Ich bin die Christel von der Post“- Auftritt gleich ihren gelben Postkiosk mit und vom (Bühnen)-Himmel) gibt’s Postwurfsendungen. Dass dabei Chor und Statisterie äußerst spielfreudig agieren (Einstudierung: Marbod Kaiser) und für stimmungsvolles Bergwelt-Kolorit sorgen, macht das Bühnengeschehen kurzweilig. Dabei sorgt Martin Hannus mit dem Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters für temporeiches Musizieren, das an manchen Stellen die Ensembles auf der Bühne arg in Bedrängnis bringt. Zwischen den Operetten-Ohrwürmern gibt es Amüsantes, wenn es um einen vermeintlichen Seitensprung des Fürsten mit der Post-Christel geht. Die fällt auf den Charme des „Pisten“- Casanovas Graf Stanislaus (Xiaotong Han) rein, der mit Hilfe seines Onkels Baron Weps (Klaus- Uwe Rein) seine Schulden tilgen will.