Wiener Blut
Operette von Victor Léon und Leo Stein, Musik von Johann Strauß

Was alles an einem einzigen Tag des Wiener Kongresses geschehen kann, wenn „Mann“, alias Graf Zedlau Gesandter von Reuß-Schleiz-Greiz, gleich drei Eisen im Feuer hat, zeigt die turbulenteste Operette von Johann Strauß. Der Graf hat nämlich nicht nur eine weit entfernte Ehefrau und die kleine Tänzerin Franzi, sondern auch eine hübsche Neueroberung, Probiermamsell Pepi, in seinem Programm. Dass sich das bei unerwartetem Eintreffen der Gattin als äußerst ungünstig erweist, liegt auf der Hand. Es kommt, wie es kommen muss und zu unendlich vielen Verwechslungen. Der Minister Fürst Ypsheim-Gindelbach glaubt, Pepi sei die Tänzerin und Franzi die Gräfin. Die Gräfin wird dann als Fürstin vorgestellt. Diese wiederum hält Pepi für die Tänzerin Franzi. Nachdem alle alle einmal verwechselt haben, findet doch am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen – zu erleben im letzten Werk des großen Operettenmeisters mit vielen schönen unvergesslichen Melodien und wortgewandten spritzigen Dialogen.
Termine
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| So, |
16.05.10, |
16.00 |
Uhr |
Groß Sisbeck
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| Do, |
27.05.10, |
19.30 |
Uhr |
Coesfeld
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Besetzung
Fotos






Operetten-Premiere am Nordharzer Städtebundtheater
Pressestimme: Mit „Wiener Blut“ durch eine amüsante Geschichte
Volksstimme Magdeburg, 23.9.2009
Von Helmut Rohm
Es ist ja alles gar nicht so schlimm. Für viele Dinge, die da passieren, gibt es ja etwas, auf das man es schieben kann: Es liegt nämlich im Blut – im „Wiener Blut“. Auf der Bühne Quedlinburg des Nordharzer Städtebundtheaters hatte die gleichnamige Operette von Victor Léon und Leo Stein mit der Musik von Johann Strauß, eingerichtet von Adolf Müller, ihre Premiere.
Quedlinburg. Balduin Graf Zedlau (Xiotong Han) kommt arg in Bedrängnis. Er ist verheiratet mit Fürstin Gabriele (Kerstin Petterson), „hält“ sich mit der Tänzerin Franziska Cagliari (Bettina Pierags) in seiner Stadtvilla eine Geliebte – und interessiert sich, gerade entflammt, für die Schneidermamsell Pepi Pleininger (Thea Rein). Es müsste eigentlich zu einem Eklat kommen – wenn es keine Operette wäre.
Die Premierengäste im nicht ausverkauften Quedlinburger Theater betrachteten diese Konstellation nicht verbiestert und wohl meist auch ohne sozialkritische Tiefgründigkeit. Wiewohl solche Beziehungen erstens auch in der Heutezeit Gesellschaftsschichten übergreifend vorkommen und zweitens natürlich nicht gutzuheißen sind. Das wollte aber auch Regisseur Wolfgang Dosch offensichtlich nicht thematisieren. Er inszenierte in der „Original“-Zeit und als die Operette, die es ist.
Ihm ging es – über weite Strecken durchaus gelungen – um kurzweilige Unterhaltung, Genuss am Spiel und vor allem um die Musik von Johann Strauß. Aus dem Graben sorgte Martin Hannus mit seinem Orchester für eben diese spritzige, leicht daherkommende, effektvoll mit Walzern, Polkas und Mazurken gespickte Musik. Schmachtend sentimentale Sequenzen, meist in Soli und Duetten, fehlten natürlich nicht – und sie wurden nicht selten mit Szenenbeifall bedacht.
Adolf Müller hatte nach dem Tod von Johann Strauß vorhandene Strauß-Melodien zusammengeführt. Die beiden Texter Léon und Stein schrieben darauf eine amüsant dramatische Geschichte. Mehr und mehr Missverständnisse und Fehldeutungen, Verwirrungen und Verwicklungen führen zu einem heillosen Durcheinander.
Franziskas Vater (Klaus-Uwe Rein) mischt kräftig mit. Premierminister Ypsheim-Gindelbach (Norbert Zilz) richtet mit Klärungsversuchen zunächst mehr Durcheinander an. Köstlich deren beider Dialoge in verschiedenen Dialekten, wobei im eigentlich Thüringeschen eine stark sächsische Färbung auffi el.
Ein sich zuspitzendes
Verwirrspiel
Fast alles bleibt allerdings an Josef hängen. Der Diener von Graf Zedlau will alles richten, Unheil abwehren – und hätte dabei fast seine geliebte Pepi verloren. Tobias Amadeus Schöner hat sich bravourös mit bewunderswerter Vehemenz in die Rolle Josefs hineingesteigert.
Regisseur Dosch verlieh allen handelnden Personen spezifi sche Charaktere. Stimmlich konnten die Darsteller durchweg souverän überzeugen. Erfreulich war das auch meist erfrischende Spiel in vereinzelt allerdings (auch beim Chor) für die Dramatik unnötig großer Lautstärke. Die Differenzierung der drei Protagonistinnen kam gelungen von der Bühne. Mit den offensichtlich gewollten Übertreibungen und Überhöhungen, die aber zu der mit satirischem Grundton versehenen Inszenierung passten.
Das war auch bei den eingefügten Ballettszenen zu spüren, die vom Chor neben gelungenem Gesang mitgetragen wurden. Harmoniert haben auch das Bühnenbild und die schön anzusehenden Kostüme (Ausstattung: Kordula Kirchmair-Stövesand) aus der Zeit der Wiener Weltausstellung 1873.
Dass nach gut zweieinhalb Stunden das sich zuspitzende Verwirrspiel nach etwas zwischenzeitlicher Handlungsträgheit dann doch und nun etwas überraschend schnell mit einem Dreifach-Happyend aufgelöst wird, gilt es nachzutragen. Nicht unerwartet sicher. Dem Publikum war die Premiere viel Beifall wert.
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