Märchenspiel, Volksstück, Zauberoper und musikalischer Hochgenuss in einzigartiger Verbindung: Prinz Tamino erfährt bei der Begegnung mit dem Vogelfänger Papageno, dass Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, in die Gefangenschaft von Sarastro geraten ist. Er beschließt sie zu befreien. Doch wovon? Was und wer ist böse, und was und wer ist gut? Nach etlichen Prüfungen finden nicht nur Tamino und Pamina, sondern auch Papageno und Papagena zueinander.
Termine
|
| Fr, |
23.09.11, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
Premiere |
|
|
| Fr, |
30.09.11, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
|
|
|
|
| So, |
09.10.11, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
ausverkauft |
|
|
| Fr, |
14.10.11, |
20.00 |
Uhr |
Salzwedel
|
|
|
|
| Sa, |
15.10.11, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
|
|
|
|
| Sa, |
22.10.11, |
19.30 |
Uhr |
Stendal
|
|
|
|
| So, |
27.11.11, |
15.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
|
|
|
| Fr, |
30.12.11, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
|
|
|
| Fr, |
03.02.12, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Quedlinburg
|
|
|
|
| So, |
26.02.12, |
17.00 |
Uhr |
Rathenow
|
|
|
|
| So, |
04.03.12, |
18.00 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
|
|
|
| Di, |
13.03.12, |
20.00 |
Uhr |
Itzehoe
|
|
|
|
| Fr, |
30.03.12, |
19.30 |
Uhr |
Großes Haus Halberstadt
|
|
|
|
Besetzung
| Musikalische Leitung | Symeon Ioannidis |
| Inszenierung | |
| Ausstattung | Lena Brexendorff |
| Sarastro | Gijs Nijkamp |
| Tamino | Xiaotong Han |
| Sprecher | Juha Koskela |
| 2. Priester | Ki Soo Yoo |
| Königin der Nacht | Yael Levita |
| Pamina | Nina Schubert |
| 1. Dame der Königin | Kerstin Pettersson |
| 2. Dame der Königin | Regina Pätzer |
| 3. Dame der Königin | Gerlind Schröder |
| Papageno | |
| Papagena / Ein altes Weib | Amrei Wasikowski |
| Monostatos | Tobias Amadeus Schöner |
| 1. Geharnischter | Ki Soo Yoo |
| 2. Geharnischter | Juha Koskela |
| | Orchester, Chor, Verstärkungschor und Statisterie des Nordharzer Städtebundtheaters |
Pressestimmen
BERGTHEATER Mozarts "Zauberflöte" feiert Premiere - und fällt nach der Pause ins Wasser. Für das hartgesottene Publikum gibt es ein spezielles Finale.
VON RITA KUNZE
THALE/MZ -Durchhalten, trotz aller Widrigkeiten - das war am Freitagabend nicht nur für Prinz Tamino, Held der Mozart-Oper "Die Zauberflöte", die Parole. Auch das Publikum im Harzer Bergtheater war auf diese Weise gefordert. Und es zeigte Stärke: "Wir bleiben hier!" und "Wir gehen hier nicht weg!" riefen einige Unentwegte in Richtung Bühne, während der Regen heftig auf ihre aufgespannten Schirme und Capes prasselte.
Sonniger Sonntag
Sommerlicher Kunstgenuss unter freiem Himmel sieht freilich anders aus, wie sich zur zweiten "Zauberflöten" -Aufführung am Sonntag bei schönstem Sonnenschein im Wasserschloss Westerburg zeigte. Doch zwei Tage zuvor mussten sich alle dem schlechten Wetter unterwerfen. Die Premierenvorstellung des Nordharzer Städtebundtheaters wurde nach der Pause abgebrochen. "Mir saß da sogar mal eine Kröte auf dem Fuß." Intendant Johannes Rieger über Wasser im Orchestergraben Bis dahin zeigte das Ensemble eine Leistung, die Respekt verdient. Florian Rosskopp als Papageno bringt auch gesanglich Farbtupfer ins Spiel, und Xiaotong Han gibt einen entschlossenen Tamino, der an magischen Orten zielstrebig seinen Weg sucht, um die schöne Prinzessin Pamina (überzeugend: Nina Schubert) zu retten. Im Bühnenbild von Lena Brexendorff öffnen sich dafür Türen, werden Stühle hin- und hergeschoben. Zauberer Sarastro (Gijs Nijkamp) als weiser Priester entsteigt einer Pyramide.
Regisseur Christian Poewe sieht in der "Zauberflöte" eine Freimaurer Oper, und das spiegelt sich im symbolhaft angelegten Bühnenbild und der Kostümierung wider: Augen binden, stilisierte Freimaurerschürzen. Doch es half alles nichts: "Der Orchestergraben ist ein Teich", hatte der Dirigent des Abends, Martin Hannus, dem Publikum zugerufen. Aber weil sie "so tapfer" ausgeharrt hätten, wie Hannus sagte, wollten sich die Sänger und Musiker des Nordharzer Städtebundtheaters nicht ohne ein kleines Zugeständnis von den Zuschauern verabschieden. Ein kleines Finale mit allen Sängern sollte den schnellen Abschied von einer bis dahin gelungenen Aufführung versüßen. Das Angebot wurde mit Beifall honoriert, und einige Premierenbesucher nahmen die ganze Sache mit Humor: Schließlich bekomme man jetzt etwas zu sehen, das es so nie wieder gebe. In der Tat - die bunten Regenschirme des Ensembles setzten farbenfrohe Akzente im Bühnenbild. Theaterintendant Johannes Rieger kennt solche Situationen. Er erinnert sich an eine "Aladin"-Inszenierung, die erst bei der dritten Aufführung trocken über die Bühne ging. "Das kommt schon mal vor", sagt er. "Wenn es ein bisschen tröpfelt, ist das auch kein Problem, und wir setzen alles daran, weiterzuspielen. Aber am Freitag war die Lage ziemlich eindeutig."
Ein Sicherheitsproblem
Bei so starkem Regen sei die Bühne irgendwann nicht mehr bespielbar. Der rutschige Untergrund könne zu einem Sicherheitsproblem werden. "Für Sänger können solche Situationen auch stimmlich Probleme bringen", sagt Rieger. Leiden würden ebenso Kostüme und Perücken: "Die kriegen sie nicht mehr trocken." Auch für die Musiker ist Dauerregen ein Problem, selbst wenn sie im überdachten Orchestergraben sitzen. Da gebe es Stellen, die seien wie eine Zisterne, in der sich das Wasser sammelt. Rieger kennt das: "Mir saß da sogar mal eine Kröte auf dem Fuß." Es scheint, als hätte der Sommer ein Einsehen mit den Künstlern. Der gestrige Siebenschläfertag zeigte sich von seiner sonnigsten Seite -und versüßte dem Musiktheater-Ensemble auf diese Weise den ersten Urlaubstag.
Pressestimme: Mozarts "Zauberflöte" in theatraler Berglandschaft
Kalt, regnerisch und stürmisch- der Sommerabend erforderte Durchhalten im Bergtheater Thale. Die Inszenierung des Nordharzer Städtebundtheaters von Mozarts "Zauberflöte" aber wärmte mit der Musik der Oper am Freitag das Herz. Zumindest bis zur Pause. Dann kam ein Regenguss, bei dem Bergtheater und Harzvorland in der Flut versanken. Dennoch vier Minuten Beifall der nassen Zuschauergemeinde für das konzertante Finale.
Von Hans Walter
Thale. Die sängerischen und instrumentalen Leistungen waren hervorragend. Der junge scheidende 1. Kapellmeister Martin Hannus formte Mozarts Musik aus dem Esprit und dem märchenhaften Geist des Werks und hielt- mit weißem Smoking im Regen stehend- die Ensembles spielerisch leicht zusammen. Bei der Regie (Christian Poewe)und vor allem dem Bühnenbild(Lena Brexendorff) aber fragte man sich, wo Mozarts Märchen- ,Zauber- und Liebesoper auf dem Berg wohl hindriftet. Poewe modellierte schon zur Ouvertüre des filigran und flirrend aufspielenden Orchesters aus dem Damen- und Herrenchor seine Helden: den dienend Schuhe putzenden; hinterhältigen Mohren Monostatos (Tobias Amadeus Schöner); die drei Damen(Kerstin Pettersson, Regina Pätzer und Gerlind Schröder).Die ziehen lange Mäntel und Sonnenbrillen an und begegnen Prinz Tamino, der vor einer Schlange flüchtet, die aber keine ist, sondern dem Prinzen erst als langes Tau um den Körper gewunden wird. Wie die Schlangen in der Laokoon-Gruppe. Schäbig wackelnde Wohnzimmertüren aus dem Baumarkt und 24 mit einem Eckchen Gold beklebte Stühle werden wechselnd auf die Szenerie gestellt und sollen Handlungsräume andeuten. Also wird die Felsengegend des Bergtheaters zum geheimnisvollen Ort für den Hilfe suchenden Tamino (Xiaotong Han). Ergo wieder zur Original-Felsengegend, wo er - das Bild der drei Damen vor Augen- die lyrische Bildnisarie singen und Bekanntschaft mit dem prahlenden Papageno (Florian Rosskopp)schließen wird. Dann flieht Pamina (Nina Schubert)aus Sarastros Palast- gewandet in ein grünes Top mit kurzem Plisseerock. Die Idee mit permanent wechselnden Türen wird spätestens nach dem Koloraturauftritt der Königin der Nacht (Yael Levita) mit "0 zittre nicht, mein lieber Sohn" unsinnig, als die Akteure mal durch die Türen schreiten und mal daneben. Spätestens da ist die Oper im Niemandsland, in der Pappmaché-Welt einer hellblau getünchten Pyramide angekommen. Ihre Spitze klappt ab wie ein geköpftes Ei; Sarasto (Gijs Nijkamp) schmettert seine Arie, damit auch der nichtkundige Zuschauer erkennen kann: Aha, ein Pyramidchen! Aha, ein Freimaurer! Pause. Programmzettel? Gab es nicht. Über den weiteren szenischen Verlauf der "Zauberflöte" ist nur zu mutmaßen. Poewe – der 2008 "Papageno spielt auf der Zauberflöte" und 2010 die Märchenoper "Hänsel und Gretel" intelligent für das Nordharzer Städtebundtheater inszenierte – bestach damals vor allem mit sozial genauer Figurenzeichnung, mit zauberhaftem, geradezu magischem Licht und dem Verzicht auf alles Überflüssige. Für die Freilicht-Inszenierung im riesigen Bergtheater dürfte Lena Brexendorff mit strenger Stilisierung besser beraten sein. Berg und festes Haus - die Ästhetik ist gar zu unterschiedlich. So spielen im zweiten Teil der Oper außer den erwähnten Türen und Stühlen noch zwei Löwen, eine Schultafel nebst Schwamm, l6 Obstkisten, ein Marktwagen, eine Ottomane, fünf Schachfiguren, zwei Leitern nebst allerlei Figuren aus dem Antiken-Steinbruch, zwei Glocken und ein Mühlrad mit. Werden sie bespielt? Die theatrale Gebirgslandschaft widersetzt sich diesen putzigen Kunstgewerbe-Zutaten. Dieser Raum wirkt vor allem durch seine archaische Kraft. Aber ab 23. September ist die Oper auch in den festen Häusern zu sehen. Wie stark ein uninszeniertes Finale auf dem Berg wirken kann, zeigte sich bei strömendem Regen, als es Martin Hannus als Entschädigung für die ausharrenden Zuschauer anstimmte. Die Bühne war überschwemmt, die Sängerinnen und Sänger sangen unter Regenschirmen, und zu guter Letzt bat Hannus noch die Orchestermusiker ins Nass. Da wurde ein Hauch der Entwicklung des Menschen durch die erlösende Kraft der Liebe spürbar. Und sei es durch die Liebe unter widrigsten Umständen zum Publikum.